• Hikaye : sevmeyen – sevilmeyen kız

    ben, erkek arkadaşımla arkadaşlarım vasıtasıyla tanışmıştım,aslında tam istediğim gibi bir insandı.arkadaşlarla her gittiğim yere o da geliyordu, mevkiside vardı, bu ilşkiye ben sevmeden istemeden başladım,ilk iki hafta iiyi güzeldi o çalışıyordu akşamdan akşama görüyoduk birbirimizi baen hiç görüşmüyoduk , görüştüğümüzdede hep yanımızda arkadaşlar oluyordu,ben bu ilşkiyi akadaşlarının yanında değil tek başımıza yaşamak istiyodum,onu tanımak, inanmak,güvenmek istiyodum ama olmadı soğudum,çok iyi bir insandı kimsyi incitmeyen bir insan ama olmayınca olmuyor işte,bende onu istemediğimi anladım ama ayrılmak isteyen ben olmak istemedim onun benden ayrılmasını sağladım ve ayrıldık ama ondan sonra onun gibiisni bulamadım o yüzden ben gerçek aşkın var olduğuna inamıyorum gerçek mutluluk gerçek aşk bence karşılıklı güven ve saygı içinde olur size dğer verene sizde değer o zaman gerçekten mutlu olacaksınız;ona dönmek istiyorum ama dönemiyorum, siz siz olun size değer verenin kıymetini bilin yaşadığınız günlerin kıymetini bilin

  • Hey! Ich habe mich nochmal drangemacht und eine zweite Story begonnen. “Watkins” werde ich natürlich auch weiterschreiben. Ich würde nur gerne eure ehrliche Meinung hören :) glg Karin

    Frustriert saß Mag auf dem alten Holzstuhl, rutschte von einer Pobacke auf die andere und stierte dabei auf ihr Telefon. Doch es wollte und wollte einfach nicht klingeln. Der Raum war mucksmäuschenstill, nur das monotone Ticken der Küchenuhr war zu hören. Verzweifelt haute sie ihre Stirn auf die Tischplatte und seufzte auf. Es war bereits 19Uhr. Wie kam sie eigentlich darauf, sie würde noch eine Begleitung für die abgefahrenste Party der Stadt bekommen? Immerhin war diese für 20Uhr angesetzt. Toll! Das wiederum hieß, dass sie sich schon mal für Montag eine Lüge einfallen lassen musste, warum sie die einzige aus der Stufe war, die nicht aufgetaucht war. Davor graute es ihr jetzt schon.
    Ganz unerwartet jedoch wurde die Stille plötzlich von dem nervtötenden Gedudel ihres schnurlosen Aparates abgelöst. Neuen Mutes schöpfend fischte sie danach und hob voller neuer Energie ab: “Hi!” “Hey, Mag! Deiner guten Laune kann ich wohl entnehmen, dass du einen Typen für die Feier hast?”
    “Ach, Steffi, du bist\’s.”, Mag ließ enttäuscht ihre Schultern hängen.
    “Was dachtest du denn?”
    “Na, meine Begleitung!”
    “Och, Mag! Das tut mir jetzt echt Leid! Aber ist doch auch nicht so schlimm. Mach dir einfach einen gemütlichen Abend. Das nächste mal wirst du schon einen geeigneten Mann finden, der dich liebend gerne begleitet.”
    “Du hast gut reden! Du hast ja einen Freund, der dir den ganzen Tag Kekse in den Arsch schiebt”
    “Ey, red nicht so! Wir sehen uns dann Montag, key?”
    “Ja, ja. Bis dann!”, eine kleine schweigende Minute setzte ein. “Bis dann.”, murmelte Steffi schließlich und legte auf. “Du hast doch wohl nicht geglaubt, dass ich dir jetzt auch noch viel Spaß wünsche oder?”, schnaubte Mag vor sich hin und knallte erneut ihren Kopf auf die Tischplatte. Sie hörte das Getuschel und Gekicher förmlich jetzt schon in ihrer Ohrmuschel niederhallen. Ja, sie war siebzehn, in der elften Klasse und hatte seit drei Jahren keinen Freund mehr gehabt.
    Dabei war sie ihrer Meinung nach ein durchschnittliches Mädchen. Sie war weder hässlich noch sonst irgendwie negativ auffallend. O.K. Das stimmte nicht ganz. Auf den ersten Blick wirkte sie auf einen Jungen äußerst anziehend, mit ihren großen offenherzigen Haselnussbraunen Augen und die farblich dazu passenden gewellten Haare, die sich sanft über ihren halben Rücken streckten. Dazu ihre vollen Lippen und der sinnliche Körper. Doch wenn er nun genauer hinsah, war sie eine quängelige, nervige, ungeduldige, verzogene Göre. Entmutigt schlürfte sie in ihr kleines, dennoch sehr gemütliches, Zimmer, haute sich auf ihren Schreibtischstuhl und drehte sich so lange im Kreis bis ihr schwindelig war. Danach klotzte sie wieder auf ihre silberne, zierliche Armbanduhr.
    /Steffi marschiert jetzt bestimmt mit Niclas im Schlepptau durch die Pforten ins große Vergnügen. Na und? Was ist daran bitte so toll?/, beleidigt blies sie ihre Backen auf und musste sich eingestehen, dass sie vor Neid zu platzen drohte. Um sich etwas abzulenken fuhr sie ihren PC hoch. /Dann lerne ich jetzt eben tolle Männer kennen!/
    Sie googelte sich ein Chatforum heraus und erstellte einen Account.
    Schnell hatte sie die nötigsten Taten eingegeben, hier und da ein wenig geschwindelt bezüglich Alters und Karriere, und starrte nun neugierig auf ihren Flachbildschirm. Es tat sich nichts. /Ist das nicht ein offenes Forum, auf dem jeder jeden anschreiben kann?! Gut, mach ich eben den ersten Schritt./
    Sie klickte sich durch mehrere Profile und forschte die Bilder. /Der ist süß und sieht nicht so oberflächlich aus./
    “Hey du!”, tippte sie in windeseile ein.
    “Hi Mag!”
    /Woher kennt der meinen…upps steht ja da./, gedanklich schlug sie sich auf die Stirn, kaum zu glauben, dass ihre ganze Schullaufbahn durch keine Ehrenrunde geprägt war.
    “Schickst du mir ein Bild von dir?”, bekam Mag von ihm zu lesen und drückte ihn abrupt weg. /so nicht Freundchen!/
    Schon schrieb sie den nächsten an, das Gespräch verlief genau wie das erste.
    “Wie du meinst, schick ich dir eben ein Bild”, sie wühlte ein wenig in ihren wenigen Ordnern und schickte ein ihrer Meinung nach akzeptables in die Weiten des Internet.
    “Du bist wunderschön! Wie wär\’s? Lust auf einen One-night-stand?.”, “Geht\’s noch?!” “Oh, bist du spießig!”, loggte sich dieser aus. Tränen der Wut stiegen in Mags Augen. Es war so hoffnungslos! Einen Jungen, der nicht nur das eine von ihr wollte, schien es auf diesem Planeten nicht zu geben.
    Noch schlechter gelaunt als sowieso legte sie ihren Kopf auf die Tastatur und nickte weg. “aztoietvqzeirnfgui tb iuqztioqueorpcm fi”
    “Was?”
    “wiervn 84z5iwer 4z58q rueh.”
    “O.K. Ich glaube du hast dich an der Person geirrt.”
    “ue85znfc743 85nfzuwiehrjriejcu3758 fj”
    “Sag mal, bist du auf der Tastatur eingepennt?”, erst jetzt vernahm Mag das Blinken und richtete sich wieder auf. Das sie auch immer so einen unruhigen Schlaf hatte! Durch ihr Gewälze hatte sie diesmal derart in die Tasten eingehämmert.
    “Oh, tschuldigung, ja war eingeschlafen.”, gestand sie schnell.
    “So,so. Und was macht eine junge Frau wie du mit ihren dreiundzwanzig Jahren an einem Samstag Abend zu Hause, wenn ich fragen darf?”
    “Nein, darfst du nicht!”
    “Dann bitte ich um Verzeihung.”
    “Du, kein Ding!”, schon schlug sie sich wieder ihre Handfläche gegen die Stirn, so redete doch keine dreiundzwanzig Jährige, erfolgreiche Geschäftsfrau!
    Mag öffnete neugierig die Informationen ihres neuen Chatpartners.

    Kyle Avery, 24 Jahre
    Leiter einer Marketingfirma

    /Donnerlitchen! In seinem Alter!/
    “Was machst du denn mit deinen vierundzwanzig Jahren an einem Samstag Abend zu Hause?”
    “Sag ich nicht!”
    “Warum?”
    “Du hast mir auch keine Antwort gegeben!”
    “Okey, ich war auf ein-” -kurze Denkpause- “- wichtiges Geschäftsessen eingeladen. Leider hab ich mich erkältet und liege nun mit Fieber und Laptop im Bett.”, /wow, gut gerettet/, “jetzt du.”
    “Na gut, ich habe vor wenigen Minuten meine Freundin ab serviert und weiß momentan nichts anderes mit mir anzufangen.”
    /Hilfe, ist der ehrlich/, Mag überkam schon fast ein Anschwall schlechten Gewissens, was sie mit der Ausrede: Der lügt doch genauso mit seiner Marketingfirma, wieder ablegte.
    “Das tut mir Leid.”, schlug sie schließlich auf ihre Tastatur.
    “Nicht so schlimm, hätte ich schon längst machen sollen. Also, was führst du denn für eine Firma? Ist ja interessant, vielleicht sind wir ja Konkurrenten.”
    “Unwahrscheinlich, es sei denn du interessierst dich für Mode. Ich leite die Designabteilung von-” /Hör auf Mag!/, “Gucci”
    “so? Das ist ja sehr interessant.”
    “Allerdings. So viel Erfolg hast du bestimmt nicht.”
    “Stimmt. Hättest du Lust mir ein Bild von dir zu schicken?”
    “Ähm. Klar Moment!”, /Scheiße!/, kalter Schweiß trieb ihr aus der Stirn. Was sollte sie denn nun machen? Um ihn länger am Ball zu halten musste sie ihm ein Bild schicken, was dem Alter entsprach, welches sie angegeben hatte. Sie klickte sich ein wenig durch die Seiten von Gucci, fand jedoch nichts hilfreiches. Letztendlich zog sie sich ein beliebiges Bild aus dem Netz, was eine blonde Modedame abbildete, und schickte es ihm.
    “Nicht schlecht.”, kam die Antwort prompt
    “Jetzt du.”, forderte Mag mit zusammengekniffenen Augen. “Gut!”
    Der Ladebalken erschien. Umso mehr Prozente dieser anzeigte, desto mehr stieg ihre Aufregung. Wie würde er wohl aussehen? Mit einem leisen Kling öffnete sich die Datei und Mag fehlte die Luft zum atmen. “Das bist du nicht! Ein Model googeln kann ich auch!”, schrieb sie, ohne ihren Blick von seinem Bild zu wenden.
    Ihrem Auge bot sich ein Mann in einem schwarzen Anzug, mit ordentlicher Krawatte. Das war jedoch nicht das, was ihr den Atem raubte. Er hatte schwarze, wild hochgegelte Haare, große, offenherzige dunkelbraune Augen, sinnliche Lippen und Grübchen, die seinem sonst sehr erwachsen wirkendem Gesicht ein Stück Kindheit zurückgaben.
    “Meinst du wirklich? Dann lass uns doch mit Cam chatten, dann siehst du die Wahrheit.” In Mags Inneren zogen sich die Eingeweide zusammen. Wenn er sie jetzt sehen würde, wäre alles vorbei. “Meine ist kaputt.”, antwortete sie schnell, da in diesem Forum der Besitz einer Kamera angezeigt wurde. “Sehr schade.” “Ja, find ich auch.” “Dabei würde ich dich so gerne mal life sehen, Heidi.”
    “Heidi?”, runzelte Mag die Stirn und kratzte sich am Kopf, “Ich bin Mag, kannst du nicht lesen?!”
    “Doch schon, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass du eine solche Ähnlichkeit zu Heidi hast, also musst du selbst Heidi sein oder…”
    Mag öffnete hektisch die eben von ihr versendete Datei und stellte angespannt fest, dass sie in der Eile tatsächlich ein Portrait von Heidi Klum verschickt hatte.
    Einige Minuten saß sie stocksteif auf ihrem Stuhl und starrte einen ganzen Schweizer Käse in die Luft. Wie konnte man nur so vertrottelt sein?
    “Heidi? Was ist los?”
    Sie schüttelte sich aus ihren Gedanken und haute wieder in die Tasten. “O.K. Du hast gewonnen. Ich kann dir kein Bild von mir schicken weil…ja, geht eben nicht.” “Warum?”
    “Ist halt so. Ich kenne mich nicht so aus, vielleicht hast du mir ja auch nur ein Model geschickt!”
    “Ach, ja? Du kennst dich nicht aus? Das sind aber schlechte Voraussetzungen für eine Leiterin von Gucci. Das ihr so nicht bankrott geht”
    “Worauf willst du hinaus?”, sie wusste die Antwort schon ganz genau.
    “Du arbeitest nicht für Gucci. Komm, erzähl mir die Wahrheit. Wie alt bist du? Dreizehn?” “Nein! Bin ich nicht! Ich zeige einfach nicht jedem mein Gesicht! Immer hin besteht bei einer berühmten Frau wie mir Entführungsgefahr!”
    “Komisch, wenn du eine berühmte Frau bist, wird doch wohl die halbe Welt dein Gesicht kennen.”
    “Halt einfach dein besserwisserisches Maul, ja?”, sauer loggte sich Mag aus und schmiss sich in ihre dicken Daunenkissen. Sie kam sich so unfähig vor. Kein Wunder, dass niemand mit ihr auf die Party wollte. Sie war unausstehlich und dazu eine scharmlose Lügnerin. Ihre Augen füllten sich mit Tränen von Selbstzweifel /eigentlich hasse ich Lügner und achte darauf, was ich sage, was war nur heute los?/ sie vergrub ihr Gesicht. Sie wusste genau, was los war. Sie wollte endlich auch mal von einem Jungen so akzeptiert werden, wie sie war. Als das nicht geklappt hatte, wollte sie einfach einen Mann, der sie liebt, selbst, wenn er nur ihre Fassade liebte.
    Ach, warum war diese mega Party nur für Pärchen?
    Einmehlich wandelte sich ihr Frust in Müdigkeit und ließ sie in einen unruhigen Schlaf fallen.

    Den Sonntag verbrachte sie damit, sich das Geschwärme ihrer besten Freundin Steffi rein zu ziehen und schludrig hier und da ein paar Kritzeleien als Hausaufgaben auf ihren zerfletterten Collegeblock zu schmieren.

    Montag Morgen wurde sie von dem quälenden Piepen ihres Weckers geweckt, welcher darauf gegen die Wand flog und mit einem kläglichen Geräusch den Geist aufgab. Mag drehte sich wieder um und zog sich die Decke bis unter die Nase. Ihre Mutter jedoch mit ihrem aufmerksamen Blick, öffnete mit Hauruck die Rollläden: “Steh auf, Maus! Du musst dich fertig machen.”
    Müde und mit zerzausten Haaren setzte sie sich auf, streckte und räkelte sich. Erst jetzt fiel ihr der vergangene Samstag wieder ein und sie ließ sich zurück in ihre Kissen fallen. “Ruf an der Schule an und sag, dass ich einen Unfall hatte.”, murrte sie und schloss ihre von Schlafdreck verklebten Augen wieder. Ihre Mutter setzte sich auf die Bettkante, worauf die Matratze unter ihrem Gewicht ein Stückchen ein sank. “Du kannst ruhig hingehen! Es ist doch nicht peinlich, dass du noch keinen Freund hast. So kannst du deine ganze Liebe wenigstens für den Richtigen aufheben.”, Ihre Mutter streichelte ihre wuscheligen Haare.
    Skeptisch öffnete sie ihre schweren Lider wieder: “Könntest du einmal aufhören in meinem Gehirn rum zu schleichen? Du zertrampelst irgendwann noch etwas.”
    “Na, komm, jetzt steh schon auf, du bist schon wieder spät dran.”
    “Wie Sie befehlen.”, sie quälte sich aus ihrem Bett und schlich ins Bad. Das ihre Mum auch immer so tun musste, als würde sie ihre Gefühle verstehen.

    Sie trödelte extra in einem Schneckentempo zur Schule, sodass sie gleichzeitig mit dem Gong ankam und niemand Zeit hatte, dumme Fragen zu stellen. Wie sie nämlich von Steffi am Sonntag erfahren hatte, waren wirklich so gut wie alle da gewesen. Selbst Leute, von denen jeder wusste, dass sie Single waren und jeder ahnte, dass es sich bei den Begleitungen um Brüder, Cousins, Schwestern und andere Verwandte handelte. Dennoch waren sie da gewesen.
    Nach der Doppelstunde Englisch erblickte Mag schon von weitem, dass Lara auf sie zu stakste. /Oh, bitte, brech dir ein Bein und flieg auf die Nase!/, nichts war\’s, unversehrt kam sie bei Mag an und lehnte sich mit einer Hand an der Tischplatte ab, damit Mag ihren üppigen Busen direkt vor der Nase hatte. “Wo war denn unsere kleine, süße Mag am Samstag? Musstest du früh ins Bett?”, Lara nahm eine Strähne ihrer wasserstoffblonden Haare zwischen Mittel- und Zeigefinger, “oder hattest du etwa keinen, der mit dir dahin gehen wollte?”, schauspielerisch hielt sie sich eine Hand vor den Mund, “Das tut mir aber Leid!”
    “Spar dir das! Mein Freund musste arbeiten und hatte dadurch leider keine Zeit, aber er meint sowieso, dass so Partys pubertärer Kinderkram sind.”, prustete Mag sich auf, deren innere Freundin Mrs. Schlechtes Gewisschen wieder im Dreieck sprang, während ihr Mann Mr. Miesmacher sie dabei unterstützte.
    “Das soll ich dir glauben? Das ich nicht lache! Wie heißt er denn, der tolle arbeitende Typ?” “Kyle Avery”, blubberte es einfach aus ihrem Mundwerk.
    “So, so! Ich feier im Juli meine Geburtstagsparty. Ein richtiges Fest. Und zwar für Erwachsene, da ich achtzehn werde. Bring ihn mit!”, Lara spitzte ihren Blick und wartete ihre Reaktion ab.
    “Liebend gern!”, Mag stand von ihrem Platz auf und stolzierte an Lara vorbei direkt zu Steffi. “Was war das denn? Du hast doch gar keinen Freund?!”, wisperte ihr diese zu. “Das weiß ich selbst! Aber weißt du was ich habe?” “Hm?” “Ein Problem!”
    Steffi packte ihre Freundin am Oberarm und drückte sie auf einen Stuhl in der Kantine und setzte sich dicht zu ihr. “Du bist ja ein Held! Was willst du jetzt machen? Wo willst du jetzt diesen Mann auftreiben?”
    “Pass auf.”, Mag hielt eine Hand neben ihrem Mund um zu verhindern, dass etwas nach außen drang, “Ich habe am Samstag einen Kyle Avery im Internet kennen gelernt. Nur wie bekomme ich ihn dazu mit zu kommen?”
    Steffi verschränkte ihre Arme: “Ihn fragen! Das größere Problem ist nur, wie bekommst du ihn dazu, dass er deinen Freund spielt?”
    Beide Mädchen grinsten auf: “Denkst du das gleiche wie ich?” “Ja! Er muss dein Freund werden.” “Bingo!”, verschwörerisch fingen sie an zu kichern. Beiden war bewusst, wie kindisch diese ganze Sache war, doch Mag hatte sich mal wieder in eine blöde Sache rein geritten und Steffi war nun mal immer Diejenige, die ihr da wieder raus helfen musste. “Den Rest besprechen wir nach der Schule, ich komm einfach mit zu dir. Eigentlich war ich mit Niclas verabredet, aber er wird das schon verstehen.”
    “Danke, danke, danke!”, Mag schmiss sich ihrer Freundin um den Hals. Sie hatte wirklich Glück mit ihr. Und das schon seit dem Kindergarten. Mag hielt diese Freundschaft für wahrlich unzertrennlich.
    Nach der Schule schlenderten Mag und Steffi noch schnell auf den Schülerparkplatz, auf dem Niclas bereits wartete. Dieser zog verwundert die Augenbrauen hoch, als er Mag neben Steffi sah. Er gehörte zu der Mehrheit Mann, der sie für eine unausstehliche Nervensäge hielt. “Du, Schatz! Mag hat ein klitzekleines Malör und ich würde ihr gerne helfen.” “Sag bloß, du willst mir absagen?”, verschränkte Niclas seine Arme. “Tut mir Leid! Ich ruf dich heute Abend an!”, sie drückte ihm einen Kuss auf den Mund und schnappte nach Mags Arm. “Danke für dein Verständnis.”, gut gelaunt machten sie sich auf den Weg.

    “Ma! Ich hab Steffi mitgebracht!”, brüllte Mag durch die Wohnung und schmiss ihre Tasche unsanft in die nächste Ecke. “Das ist ja eine Überraschung! Ich bin gerade am Kuchen backen. Ihr seid dann meine Testpersonen, ja?”, Mags Mutter kam mit einer Schürze um die Hüfte und von oben bis unten voll mit Mehl aus der Küche gelaufen. “Gern.”, entgegnete Mag fröhlich, die der Meinung war, dass ihre Mutter tief irgendwo in sich vergraben ein verstecktes Backtalent war. Steffi schluckte schwer und erinnerte sich an ihr letztes Erlebnis mit den Küchenkünsten von Mags Mutter. Damals hatte sie eine ganze Woche mit Magenschmerzen im Bett verbracht. Mag voran betraten die beiden ihre gemütliche Oase. Steffi setzte sich sofort auf den Sessel, während sich Mag auf die lange Couch gesellte. Sie kramte neben sich aus einer Buchenholzkommode einen gültigen Kalender heraus. “Also, wir haben Zeit bis zum 27. Juli, knapp zwei Monate. Meinst du das reicht?”, begann Mag mit einem besorgten Gesichtsausdruck. “Muss es!”
    In diesem Moment öffnete sich die Tür und Mags Mum kam mit einem voll beladenem Tablett hereinspaziert. Sie stellte das Zeug auf dem Couchtisch ab. “Hier frische selbst gekaufte Kekse und Eistee.”, lächelte sie den beiden Mädchen freundlich entgegen. “Gekauft?”, erkundigte sich Steffi vorsichtshalber. “Ja, nur nicht so ungeduldig! Der Kuchen ist noch im Backofen!”, dreist setzte sie sich einfach dazu. “Steffi, du warst doch auf dieser Party letztes Wochenende, nicht wahr? Wie war\’s denn?”
    Mag verdrehte genervt die Augen. Musste das gerade jetzt sein? Doch Steffi sprang voll drauf an und begann zu schwärmen. “Es war wunderschön! Die Atmosphäre, der klare Sternenhimmel, die Musik, die Drinks, die Leute, die…”
    Mag krallte sich einen Keks und kaute wütend darauf herum. Mags Mutter nickte interessiert. “Weißt du, Mag war ganz geknickt, dass sie nicht hin konnte, aber ich sage ja immer. Manche haben eben früher einen Freund, andere später!”
    “Ma, könntest du bitte…?” “Hab schon verstanden.”, hörig nahm sie ihr Tablett wieder und ging in Richtung Flur. Auf der Türschwelle drehte sie sich noch einmal um: “Wenn ihr etwas braucht sagt ihr Bescheid?” “Natürlich.”
    Ihre Mum lächelte noch einmal freundlich in die Runde und schloss die Tür wieder. Mag atmete erleichtert auf: “also, wo waren wir?”
    “Ich bin ja dafür, dass wir alles genau planen, dann kommen wir wenigstens nicht durcheinander.”, Steffi holte einen Block und einen Kugelschreiber aus ihrer Tasche, band ihre blonden schulterlangen Haare zu einem Zopf und begann eine Zeitleiste zu skizzieren. Mag beobachtete sie mit hochgezogenen Augenbrauen.
    “Bis hierhin haben wir Zeit-“, sie trug den 27. Juli ganz am Ende ihres feinsäuberlichen Striches ein, “-Und das ist Heute, hier wirst du dein erstes Date mit ihrm haben, hier der erste Kuss, hier-” “Moment!”, unterbrach Mag ihre Freundin kopfschüttelnd, “Du glaubst doch nicht im Ernst, dass man das alles so vorplanen kann? So etwas geschieht spontan!” “Nicht, wenn man nur zwei Monate Zeit hat.”, ohne weiter drauf ein zu gehen ordnete sie weiter Ereignisse ihren Daten zu und murmelte jeweils mit: “…und hier landet ihr in der Kiste…und hier-” “Steffi! Ich werde nicht mit ihm schlafen!”
    “Wie willst du denn sonst einen vierundzwanzig jährigen an dich binden? Der will keinen Kindergarten. Der will harten, hemmungslosen, feurigen Se-” “Oh nein! Meine Alarmglocken schlagen Alarm! Ich kann doch nicht mit einem Jungen gehen, den ich nicht liebe!” “Stimmt,”, Steffi kratzte sich am Hals, “Du solltest lieber zu Lara hingehen und ihr die Wahrheit sagen…”
    Plötzlich wurde es ganz still im Raum. Nur in Mags Kopf tobte dafür ein umso lauterer Kampf. Einerseits wollte sie nicht einfach einem Mann das Herz brechen und ihn auf solche absurde Weise verarschen, andererseits konnte sie unmöglich nach ihrer Show in der Schule zugeben, dass sie keinen Freund hatte. Diese verdammte Zwickmühle aber auch.
    “Und?” “Ich mach\’s.” “Juhu!”, jaulte Steffi gut gelaunt auf und setzte ihren Kuli wieder an. “Kann es sein, dass das für dich alles nur ein Spaß ist?”
    Steffi hielt inne: “Na ja, eigentlich wollte ich dir nur helfen, doch jetzt finde ich die Sache umso spannender.”
    Steffi hielt ihren Entwurf hoch und betrachtete diesen zufrieden. “Perfekt!”, lobte sie sich selbst.
    “Und was steht für heute auf dem Programm?”
    “Bis tief in die Nacht mit ihm Chatten, Interesse zeigen und ihn neugierig machen.”
    “Wie denn?”
    “Lass dir was einfallen, was weiß er denn bisher von dir?”
    Mag strengte ihre grauen Zellen an und erschrak innerlich: “Er weiß, dass ich zickig werden kann…”
    “und sonst?”, sie drückte ungeduldig die Mine ihres Kugelschreibers rein und raus. “Also, dass ich am Samstag Fieber hatte, dreiundzwanzig Jahre alt bin, die Designabteilung von Gucci leite….”
    “Ach du meine Güte, ich hab genug gehört. Hättest du nicht noch ein bisschen dicker auftragen können?”, meinte Steffi sarkastisch und drückte sich mit Zeige- und Mittelfinger gegen ihre Schläfen. “Tschuldigung…Sollten wir nicht einfach ein neues Profil erstellen?” “Nein, das wird schon.”
    Mag holte sich ihren Sitzsack, Steffi setzte sich auf den Schreibtischstuhl und schon loggten sie sich wieder in dem Forum ein.
    “Sie haben eine neue Nachricht.”, ertönte die elektronische Männerstimme. Mag klickte sie sofort an und klatschte in die Hände: “Sie ist von Kyle!”
    “Jetzt guck doch erst mal was drin steht.”, gespannt richteten sie ihren Blick auf die Mattscheibe.
    “Da wird aber eine zornig! :D Wir sehen uns dann ja wohl auf der Modemesse nächste Woche, nehme ich mal an? Freu mich schon dein geheimnisvolles Gesicht zu sehen” Mag biss sich auf ihre Unterlippe. So ein Mist er hatte doch irgendetwas mit Mode zu tun. “Das passt genau! Erstes Date nächste Woche! Hab ich eingetragen.”, grinste Steffi breit und zeigte wieder auf ihr kariertes Blatt.
    “Als ob die mich auf so eine Modemesse lassen würden.” “Aber was lügst du auch, das sich die Balken biegen? Ist ja unfassbar, da glaubt man dir ja kein Wort mehr.”
    Mag senkte beschämt ihren Kopf. “Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich werde mich bessern, versprochen!”
    “O.K., sobald wir die ganze Sache hinter uns haben, ja?”, zwinkerte ihr ihre Freundin zu. “Geht klar.”
    “So ihr zwei! Der Kuchen ist fertig. Wollt ihr ihn hier essen oder in der Küche?”, steckte ihre Mum ihren Kopf durch die Tür. “Hier, geht das?” “Natürlich.”, wenige Sekunden später kam ihre Mutter wieder mit ihrem Holztablett herein, wechselte die leere Kanne Eistee gegen eine neue aus, stellte Teller und vier Stückchen Kuchen auf den Tisch und nahm sich ihre Kekse wieder mit. Leise schloss sie die Tür wieder.
    Voller Vorfreude auf den frischen Kuchen schmiss sich Mag auf das Sofa und langte kräftig zu. Steffi ging die ganze Sache vorsichtiger an. Sie piekste mit ihrer kleinen Gabel hinein und führte ein kleines Stück zu ihrem Mund. Mag begann zu kichern: “Das ist nicht vergiftet.” “Da bin ich mir immer nicht so sicher.”, schließlich stopfte sie sich die Gabel in den Mund. “Augen zu und durch.” “Und so schlimm?”, Mag machte große, neugierige Augen. “Ist ganz in Ordnung. Ich hoffe ich bin Morgen auch noch der Meinung.”
    “Klar.”
    “Zurück zu unserem Thema, weißt du eigentlich wie er aussieht, nicht das er nachher mehr Pickel als Ausstrahlung hat.”
    “Er hat mir ein Bild geschickt, fragt sich nur, ob er das wirklich ist.”, Mag stand mit der Gabel im Mund auf und klickte das gesuchte Objekt an. Als hätte sie einen Preis zu vergeben präsentierte sie ihn mit beiden Armen auf den Monitor gerichtet. Steffi machte große Augen. “Jetzt bin ich platt! Ich hoffe, dass das sein wahres Äußeres ist.” “Ja, geah? Der ist zum anbeißen!”, beide begannen wie zwei dreizehn Jährige zu lachen. Ein leises, hohes Geräusch brachte sie wieder zur Besinnung. “E-er, eee…..e-er” “Was ist los?” “Er ist online!” Steffi ließ alles stehen und liegen und setzte sich zu ihr vor den Computer. “Dann schreib ihn an”, sie stubste ihre Freundin an. “Sollte man sich nicht jagen lassen?” “Nein, wir haben nur zwei Monate Zeit.”, Steffi drängte sich an ihr vorbei an die Tastatur.
    “Hi”
    “Hi, Heidi-Mag”
    Steffi blickte Mag fragend an. “Lass mich dran, ich weiß was er meint.” “gut.”, Steffi zuckte mit den Schultern und wich wieder ein Stück zurück.
    “Muss der viel beschäftigte Geschäftsmann nicht arbeiten?”
    “Tu ich doch.”
    “So?”
    “ja, sitze in meinem Büro.”
    “Schöne Arbeit hast du da.”
    “Und was ist mit dir, Miss Gucci?”
    Steffi beobachtete die Unterhaltung gespannt.
    “Geht dich nichts an.”
    Steffi fuhr dazwischen: “Mag! Sei nicht so unfreundlich!”, “Ich mach das schon, ich weiß, wie man mit ihm redet!”
    “Und? Was ist jetzt mit der Gala? Kommst du?”
    Ratlos sah Mag zu Steffi. Diese nickte heftig. “Was bin ich?!” “Komm schon!” “Aber ich kann da nicht hin! Wie soll ich denn reinkommen?” “Hast recht, dann halt nicht.”
    Mag wendete sich wieder an die Tastatur: “Habe wichtigeres zu tun.”
    “Zum Beispiel?”
    “Das wichtige Geschäftsessen nachholen.”
    “Verstehe. Ist denn deine Kamera wieder in Ordnung?”
    “Nein.”, wollte sie antworten, doch ehe sie abschicken konnte, hatte Steffi die vier Buchstaben wieder weg gemacht. “wir müssen doch wissen, wie er dich äußerlich findet, sonst wird das ganze nichts, also nimm den Videochat an!”, schon drückte Steffi auf die kleine Kamera auf dem Bildschirm. Mag rutschte kurzerhand einfach vom Stuhl und saß nun auf dem Boden. “Ich will nicht!” “Du benimmst dich wie fünf!”
    “Wer ich?!”, schallte eine angenehm weiche, sehr tiefe Stimme mit hörbarem amerikanischem Akzent aus dem Lautsprecher. Schockiert richtete Steffi ihren Blick wieder. “…..n-nein, i-ich meinte. Mag jetzt komm endlich wieder hoch.” “NEIN!”
    “Was ist los? Hat sich meine kleine Geschäftsfrau unterm Tisch vergraben?”
    “Nein, sie ist nur kurz dahin, wo der Kaiser zu Fuß hingeht!”, log Steffi schnell. Kyle begann leise zu kichern. “Interessant, habe noch nie eine Toilette unterm Schreibtisch gesehn.” “Em, ja.”, Steffi beugte sich runter, “Er hat nicht gelogen, er ist der auf dem Bild!” “Was?!”, mit voller Wucht stieß sich Mag aus versehen an der Tischplatte und rieb sich ihren schmerzenden Kopf. “Das war die Spülung, nehm ich an.”, kommentierte Kyle wieder lachend. Steffi grinste verlegen in die Cam und begann Mag an ihrem Handgelenk nach oben zu ziehen. “Guck ihn dir wenigstens an!”. Widerwillig setzte sie sich zurück auf ihren Stuhl und spähte kurz in das kleine Fenster, worauf ihre Kinnlade fast auf den Boden aufschlug. “OH”, brachte sie nur noch heraus. Steffi stieß sie in die Seite. “Sag was!”, flüsterte sie ihr zu. “Oh, wow, du hast ja sogar ein Bett in deinem Büro”, scherzte Kyle
    “Ja, und?”
    “Komm, lassen wir das Theater, du weißt genauso gut wie ich, dass du dich als jemand ausgibst, der du nicht bist. Du bist doch höchstens sechzehn.”
    “Siebzehn!”, verbesserte Steffi schnell. Mag zog einen Schmollmund und drehte ihren Kopf weg. “Das soll heißen: Tut mir Leid.”, erklärte Steffi zwinkernd. “Soll es gar nicht! Ich entschuldige mich nicht bei dem da!”
    Steffi deutete stumm auf den Zeitstrahl und machte ein forderndes Gesicht. Mag verstand. “Jetzt werden wir uns wohl doch nicht auf der Gala sehen….”, sie machte eine geknickte Stimme. “Stimmt, eine Lügnerin, die nicht zu ihren Fehlern steht, würde ich niemals mitnehmen.”
    “Oh…würdest du mich sonst mitnehmen?”, Mag hüpfte erfreut auf ihrem Stuhl hin und her und klatschte in ihre Hände.
    “Nein.”, antwortete Kyle trocken und Mag blieb augenblicklich stehen. “Und warum nicht?” Kyle lachte leise auf. “Ich nehme doch nicht jeden mit auf eine Gala. Was denkst du denn?” “Das du nicht jeden mitnimmst, aber mich.”, grinste Mag breit. “Dich kenn ich ja nicht. Ich weiß nur, dass du eine Lügnerin bist.”, stichelte Kyle, immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen.
    “Du kannst sie ja kennen lernen”, mischte sich Steffi wieder ein.
    “Hört zu, Mädchen. Auch ein leidenschaftlicher Faulenzer, wie ich, muss ab und zu mal arbeiten.”
    “War\’s das jetzt?”, fragte Mag mit deutlich hörbarer Trauer in der Stimme. Kyle überlegte kurz, atmete dann besiegt aus: “Ich habe um acht Feierabend, bis ich zu Hause bin ist es zirka neun, wenn du willst, komme ich dann noch mal rein, was hältst du davon?”
    “Klasse! Dankeschön!”
    “Bis dann, ihr zwei.”
    Mag machte eine winkende Bewegung und schloss den Chat. Siegessicher schlugen die Beiden Mädchen gegenseitig in ihre Hände. “Er ist zumindest nicht abgeneigt von dir! Siehst du, mein Plan ist perfekt. Hier steht: bis in die Nacht chatten!” “Oh wow, und was steht da für Morgen?”
    “Em,”, sie sah nochmal nach, “erstes gemeinsames Telefonat. Das heißt, sorg dafür, dass ihr Handynummern austauscht, klar?” “Oki doki!”

    *
    Kaum hatte Kyle den Chatroom verlassen, platzte seine Sekretärin herein. “Mr. Avery, hier ist eine Dame, die gerne mit Ihnen reden würde. Dringend!”, fügte sie hinzu und schon brauste eine blonde, große Frau an ihr vorbei. “Was fällt dir eigentlich ein?!”, brüllte sie los, ohne Luft zu holen. Die Sekretärin schloss schnell die Tür wieder. “Schrei doch nicht so, Bianca.”, kam er lässig um seinen Schreibtisch herum geschlendert. “Ich soll nicht so schreien?! Hörst du dich manchmal selbst reden?! Du hast mich von der Liste zur Gala gestrichen! Hast du irgendwie Druck auf der Hose?”
    Ruhig lief Kyle auf die Kommode zu und schüttete sich und ihr ein Glas Wein ein und reichte ihr eines. Sie schlug es jedoch patzig weg, sodass der Wein wie ein großer Blutfleck auf dem Teppich verlief.
    “Der teure Wein!”
    “Du regst mich so auf! Du bist wie dein Vater! Mit dem einzigen Unterschied, dass er endlich unter der Erde liegt!”, fauchte Bianca. Ein kleiner Stich zog durch Kyles Herz, was er sich jedoch nicht anmerken ließ. “Jetzt gib mir endlich eine Antwort. Warum hast du mich da raus genommen? Dir ist doch wohl bewusst, dass das meine Chance gewesen wäre, meinen Durchbruch als Journalistin zu schaffen!”
    “Ich denke einfach, dass du da nicht hin gehörst. Du weißt genau, dass dort keine Paparazzis erwünscht sind.”, erwiderte er ruhig und nippte an seinem Glas. “Aber Vorgestern war das noch O.K.?”, Bianca verschränkte die Arme vor der Brust.
    “Da warst du noch meine Begleitung.”
    “Wie ich deine Visage hasse!”, sie klatschte ihm volle Kanne ihre Handfläche ins Gesicht und wandte sich zum gehen. Er griff nach ihrem Arm und drehte sie wieder zu sich. “Komm mir nicht so! Du bist ein undankbares Stück! Ohne mich wärst du immer noch arbeitslos! Ich hab dir den Job besorgt.”
    “Oh, willst du jetzt auch noch einen Preis?!”, er erntete einen letzten zornigen Blick von ihr, bevor sie mit erhobener Nase aus dem Büro stolzierte. Kyle leerte das Glas in einem Zug und stellte dieses zurück. “Weiber…”, murmelte er vor sich hin und setzte sich zurück an seinen Schreibtisch und kümmerte sich endlich um die liegen gebliebene Arbeit.

    Pünktlich um zwanzig Uhr machte er Schluss und verließ das große Gebäude. Mit einem Croissant zwischen den Zähnen warf er seinen metallischen Aktenkoffer auf den Beifahrersitz und startete seinen brandneuen Wagen, der mit einem leisen Surren los fuhr. Gemütlich nahm er den gewohnten Weg über die Landstraße und war innerhalb von fünfzig Minuten in seinem gemütlichen zu Hause angekommen. “Sveti, bin da.”, rief er durch die große Eingangshalle, während er zugleich seine Jacke an die Garderobe hängte. “Oh, gut! Wie war Ihr Tag?”, begrüßte Svetlana, eine kleine Russin mit süßem Dialekt und zugleich die Haushaltshilfe von Kyle, ihn mit einem ehrlichen Lächeln. Sie hatte dunkelbraune, kurze Haare mit hellen Strähnchen, etwas kleinere, dennoch offen wirkende Augen und einen immer freundlichen Gesichtsausdruck. Ihre Schneidezähne standen ein paar wenige Millimeter auseinander, was ihrem niedlichen Aussehen jedoch keinen Abbruch tat. ,
    “Normal eben.”, Kyle hielt seine Nase verzückt in Richtung Küche, “wenn ich mich nicht irre, ist das ein Auflauf.” “Ja!”, kicherte Svetlana, wieder staunend über seinen guten Riecher, und machte sich wieder zum Backofen, um ihm das warme Mahl zu servieren. Er ließ sich die Zeitung bringen, setzte sich an den Esstisch und genoss den Hausgemachten Auflauf.
    *
    Mag gähnte gelangweilt und streckte alle Viere von sich. Die Uhr zeigte bereits viertel vor Zehn, doch keine Spur von Kyle. /Hat er mich versetzt?/. Da sie nichts besseres mit sich anzufangen wusste, holte sie ihre Mathesachen heraus und konzentrierte sich auf die Aufgaben. Textaufgaben. Nein! Damit konnte sie nun wirklich nichts anfangen. Wenn die Formel vorgegeben war, Okey, aber ganz ohne Vorgabe? No way!
    “Hi, Mag!”, tauchte plötzlich eine kleine Schrift im “Times new Roman-stil” auf. Kurz darauf folgte eine Videoeinladung. Mag zögerte kurz, nahm sie jedoch an. “Du bist zu spät!”, murrte sie ins Mikrofon und kneulte ihr Mathematikheft zu.
    “Ich weiß. Sorry, muss gestehen, hatte ganz vergessen, dass wir verabredet waren.”
    “Hauptsache du bist da.”, lächelte Mag fröhlich in die Kamera, da ihr Steffis Zeitplan gerade wieder unter die Augen gekommen war. “Wie war\’s in der Arbeit?”, fragte sie, um ein Gespräch in Gang zu bringen und setzte interessierte Augen auf. “Normal! Du, macht\’s dir was aus, wenn ich mir schnell etwas gemütlicheres anziehe?”
    “Nein, mach nur.”
    Kyle verschwand irgendwo. Mag nutzte die Zeit, um das Zimmer unter die Lupe zu nehmen. So viel sie erkennen konnte, befand sie sich wieder in irgendeinem Arbeitszimmer, mit vielen Büchern. Plötzlich veränderte sich ihr Blickwinkel und sie wanderte durch die Wohnung. “Dein Cam hat Beine!”, kicherte sie leicht verwirrt gegen ihren Monitor und betrachtete gespannt, was sie neues entdecken konnte. Die Kamera lief durch einen hell beleuchteten Flur mit Gemälden an den Wänden, die in einem Cremeton gestrichen waren. Sie steuerte auf eine Tür zu, deren Henkel herunter gedrückt wurde. Nun befand sie sich in einem großen Wohnzimmer. Völlig platt drückte sie ihr Gesicht gegen den Bildschirm, um alles besser erkennen zu können. Sie entdeckte Sofas, die wie Körbe geflochten waren, darüber weiße Polzter und Kissen, die zum Kuscheln einluden. Davor ein Couchtisch und auch ein steinernder Kamin war zu erkennen. Mehr offenbarte die Cam jedoch nicht. Mag vernahm ein leichtes quietschendes Geräusch und versank wieder in Kyles schwarzen Augen. “Hab keine Lust mehr auf Büro, wenn du verstehst?”
    “Klar.”, nickte Mag und erkundete sein Gesicht noch einmal ganz genau.
    “…..wohnst du?”
    “He?”, sie schenkte ihm wieder ihre Aufmerksamkeit.
    “Wo du wohnst?”, fragte er in einem freundlichen Ton.
    “Heidelberg. Du?”
    “Stuttgart.”
    “Da kann ich ja direkt von hier aus mit dem Zug hin.”, Mag machte große Augen. Das passte ja hervorragend! Also von der Entfernung her, wäre es ja wohl kein Ding für ihn mal auf der Party vorbei zu schneien.

    Tatsächlich unterhielten sie sich einige Stunden, bis Mags Mum im Minutentakt dazwischen quakte, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass es nach Mitternacht war. Immer wieder schüttelte sie Mag mit einem knappen “Gleich, gleich” wieder ab.
    “Du solltest jetzt wirklich schlafen gehen. Nicht das du noch in ernsthafte Streitigkeiten mit deiner Mutter rutscht.”
    “Hach, schade…”, Mag seufzte und senkte ihren Blick.
    “Hey, wir können doch irgendwann wieder schreiben?”
    “Was heißt irgendwann?”
    “Ich bin jetzt für ein paar Tage auf Geschäftsreise. Also morgen früh geht’s los.”
    “Das ist ja scheiße. Können wir nicht wenigstens telefonieren?”
    Kyle lachte leise auf: “Hast du keine Freunde?”
    “Doch, bestimmt mehr als du!”
    “Dann telefonier mit denen!”, Kyle nahm einen Schluck aus einer Wasserflasche und richtete seinen Blick wieder auf sie.
    “Ich wollte aber mit dir telefonieren.”, sie setzte ihren gekonntesten Dackelblick auf. Sie konnte doch nicht zulassen, dass er ein paar Tage nichts mehr von sich hören ließe. Dafür war die Zeit viel zu knapp.
    “Weißt du? Du solltest dir jemanden in deinem Alter suchen. Ist zwar wirklich süß von dir und ich finde dich nett, aber ich bin immer noch sieben Jahre älter und ein beschäftigter Mann.”
    “Oh! Ist sich also zu schade! Hätte ich mir ja denken können!”, brummte Mag und drehte ihren Kopf weg.
    “Jetzt sei nicht beleidigt.”
    “Verpiss dich doch!”
    “Ey, nicht in dem Ton!”, er zog seine Augenbrauen herunter.
    “Das war doch gar nichts! Wie wär\’s damit? Fick dich, du Lutscher!”
    “Man, bist du eine verzogene Göre! Du bist echt nicht aus zu halten!”, wurde Kyle plötzlich für seine Begriffe ungewöhnlich laut. Doch auf einmal entdeckte er eine kleine Träne in ihren Augenwinkeln glitzern.
    “Mag, das wollte ich nicht. Ich-”
    “Hab schon verstanden.”, Mag knipste die Kamera aus, fuhr den Computer herunter und schmiss sich auf ihr Bett. Da war es wieder, die übliche Erkenntnis: Du bist unausstehlich. In ihrem Kopf hallten diese drei Wörter immer und immer wieder. Leise schluchzte sie auf und drückte ihren Kopf in die Kissen. Morgen würde sie Steffi wohl mitteilen müssen, dass der Plan gestorben war…

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  • Wie gerädert kam Mag am nächsten Morgen in der Schule an und setzte sich auf ihren Eckplatz neben Steffi. Diese zwinkerte ihr verheißungsvoll zu und stupste sie ein wenig mit ihrem Ellenbogen. Mag ignorierte sie und schmiss ihre Mathematiksachen auf den Tisch. Herr Johnson setzte sich hinter den Lehrerpult und räusperte sich, worauf die Aufmerksamkeit der Schüler ihm zuteil wurde. Er hielt einen Zettel in die Luft und hob seine Stimme: “Ich habe hier die Klausuren. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Also ich werde euch jetzt einzeln aufrufen und euch noch etwas zu eurer Leistung sagen, O.K? Also Lara Benz als erste.” Lara stand auf, nahm in der für sie üblichen Geste eine Haarsträhne ihrer wasserstoffblonden Haare zwischen die Finger und stellte sich posierend vor den Lehrer. Nach einem kurzen Gespräch kam der nächste dran. “Jetzt Steffi bitte.”
    “Drück mir die Daumen!”, wisperte sie zu Mag. Kurz später kam sie lächelnd zurück. “Was hast du denn? Zeig mal her.”, Mag entriss ihr die Zettel und machte große Augen. “Dreizehn Punkte! Steff, du hast drei….dreizehn Punkte.”. Steffi grinste verlegen und machte eine wegwerfende Handbewegung: “Du hast bestimmt vierzehn.” “Mag.”, stieß der Lehrer hervor und blickte stirnrunzelnd auf seine Unterlagen. Mag schluckte schwer, erntete einen mutmachenden Blick von ihrer Freunden und erhob sich. Sie fühlte sich wie auf dem Weg zum Henker. Für manche scheint das wohl übertrieben zu klingen für Mag jedoch war Mathe so unverständlich, wie die Theorie, die ganze Erde sei durch einen einzigen Uhrknall wie her gezaubert worden.
    Die Hände zusammengefaltet stellte sie sich vor Herrn Johnsons Tisch, dieser setzte einen mitleidigen Blick auf. “Mag, es ist ernst, setz dich.”, er deutete auf einen freien Stuhl neben sich. Er blätterte ein wenig in ihrer Klausur herum und richtete seine grau-blauen Augen wieder zu ihr. “Es fällt mir immer nicht leicht Schülern so etwas mit zu teilen. Jedoch hast du in dieser Klausur lediglich zwei Punkte und den einen auch nur mit zugekniffenem Auge. Ich habe das Gefühl, dass du in der zehnten Klasse sehr viel geschlafen hast. Ganz elementare Dinge fehlen dir.”
    In Mags Hals setzte sich ein Kloß fest. Egal wie schlecht ihre Mathekenntnisse schon immer gewesen waren, so ein miserables Ergebnis hatte sie noch nie nach Hause gebracht. “Du musst sehr viel nachholen, wenn du dein ABI bekommen willst, am besten suchst du dir eine Schülerhilfe.”, er richtete seine Brille, die wieder mal auf die Nasenspitze gerutscht war. Sie nickte nur stumm, da ihre Stimme nicht Einsatzbereit war und griff nach der Arbeit.

    “Und Mag? Vierzehn?”
    “Zwei.”, entgegnete sie kurz und ließ ihren Kopf auf ihre Handgelenke sinken. Steffi kicherte: “Nein, im Ernst.”. Sie nahm sich die Blätter. “Oh….”
    “Ich schaff das Schuljahr nicht.”, murmelte sie, ihre Stimme klang den Tränen nahe. Steffi strich ihr verständnisvoll über den Rücken. “Bist du sicher?” “Ja, ich hätte mindestens zehn Punkte gebraucht.”

    In der Pause setzten sie sich mit einigen Freunden nach draußen. Steffi rückte ganz dicht an Mag ran, um mit ihr ohne weitere Zuhörer zu sprechen. Mag selbst hatte seit der ersten Stunde kein Wort mehr über ihre Lippen gebracht was man bei ihr normal für unmöglich hielt. Steffi nahm ihre Hand und drückte sie fest. “Das wird alles wieder, glaub mir. Was ist jetzt eigentlich mit Kyle?” “Geschichte.” “Dann erzähl”
    Ohne zu antworten sprang Mag grinsend auf: “Heute ist es so heiß, wie wär\’s, wenn wir die letzten vier Stunden schwänzen und stattdessen Eis essen gehen?”
    Die Fünfer-Clique, außer Mag und Steffi bestehend aus Beth, Danny und Lorena, war sofort hell auf begeistert, da alle ihre Freizeit preisen. Nur Steffi konnte immer noch die Traurigkeit in Mags Augen sehen.
    Beth war achtzehn Jahre alt, war somit die einzige der fünf, die schon ihren Führerschein plus Auto hatte, Danny war ein rothaariger Junge, der Jahre lang Außenseiter war und sich nun bei den vier Mädels Pudelwohl fühlte und Lorena, ein schüchternes, hübsches Mädchen mit vielen Verehrern und Neidern.

    Nach ein paar gemütlichen Stunden in der Stadt, wo Steffi vergeblich versucht hatte, etwas aus Mag heraus zu bekommen, schlürfte Mag entmutigt nach Hause. Sie wusste genau, dass sie bei ihrer Mutter keine Angst vor einer Standbauke haben brauchte, doch alleine die Tatsache sie so enttäuschen zu müssen, machte die ganze Angelegenheit nicht so einfach. Mags Mum, Maggan, ja sie hatte den gleichen Namen wie ihre Tochter, bügelte gerade summend vor sich hin und zog sich eine brandneue Folge vom “Richter Hold” rein. Um auf sich aufmerksam zu machen, ließ Mag laut ihre Tasche auf den Boden fallen. Sofort drehte sich ihre Mutter um und strahlte sie mit einem ehrlichen Lächeln an. “Liebling! Wie war die Schule? Hast du deine Klausur zurück?”
    Mag senkte ihren Blick /Sag einfach, du hättest sie noch nicht, dann hast du mehr Zeit/, meldete sich die kleine, teuflische Stimme in ihrem Inneren. /Nein! Merkst du nicht, was dir diese Lügen für einen Ärger bereiten?/, brachte sie sich selbst zur Vernunft und sammelte ihren Mut zusammen: “Ja, und…i-ich hab schon ausgerechnet, ich schaffe das Schuljahr nicht…” /so, jetzt ist es raus!/
    Maggan stellte das Bügeleisen bei Seite, drückte den roten Knopf der Fernbedienung und kam auf ihre Tochter zu, die auf den frisch gesaugten Teppich starrte. Mag nahm die zärtliche Umarmung ihrer Mutter wahr und schaute wieder auf. “Mum…” “Es tut mir so Leid.” “Dir?”, Mag war verwirrt. “Ich weiß doch, dass es dir zu schaffen macht, dass du nie einen Vater hattest….ich höre doch, wenn du nachts weinst. Glaub mir, das wird alles wieder.” Das hatte sie nun wirklich nicht erwartet. Wie kam sie darauf die ganze Sache darauf zu schieben, dass sie nie eine funktionierende Beziehung gesehen hatte. “Du bist also nicht enttäuscht?”
    Maggen schüttelte den Kopf und strich Mag eine Träne von der Wange. In diese neue Ruhe platzte der Klingelton von Mags Handy. “Tschuldigung.”, sie zog ihr Handy aus der Hosentasche, verschwand in ihrem Zimmer und nahm ab. “Hey, Steff!”
    “Oh, du klingst ja wieder gut gelaunt.”
    “Ja, mir geht’s viel besser.”
    “Das ist schön. Obwohl die Laune von heute Morgen Kyle vielleicht besser gefallen hätte.”, scherzte Steffi.
    “Diese Laune wird der niemals kennen lernen.”
    “Wer weiß…also, willst du mir nicht erzählen, was passiert ist?”
    Mag überlegte kurz und berichtete schließlich alles so genau, wie möglich. “Was musst du auch immer so über reagieren?”, fragte Steffi kopfschüttelnd, als ihre Freundin ihren Bericht beendet hatte. “Ich habe gar nicht über reagiert!” “Oh, doch! Ach, egal. Hast du nicht gesagt, dass du ihn unterbrochen hast? Guck doch mal nach, ob er dir eine Nachricht hinterlassen hat.”
    “Wozu, ich seh keinen Grund.”, motzte Mag.
    “Sieh doch einfach mal nach! Das kostet doch nichts.”
    Geschlagen stand sie von ihrem Sofa auf und fuhr ihren Computer hoch. Die Wartezeit schien ewig, bis Mag sich endlich einloggen konnte. “Und?”
    “Eine neue Nachricht.”, hauchte Mag ohne einen Ton heraus zu bekommen. Sie öffnete neugierig das Briefchen und las laut vor:

    “Tut mir Leid, Kleine. Wollte dich nicht verletzten. Falls du deine Meinung nicht geändert hast, kannst du mich hier gerne anrufen:
    016235874678. Aber erst frühstens ab neunzehn Uhr. Nicht das du mich bei einem wichtigen Meeting unterbrichst!
    LG Kyle”

    Mag stieß einen Freudenschrei hervor und tänzelte durch ihr Zimmer. Steffi kicherte leise: “Darf ich dich was fragen?” “Was immer du willst!”, antwortete Mag gut gelaunt. “Freust du dich, wegen unserem Plan oder einfach, wegen Kyle?”
    Sie blieb augenblicklich auf der Stelle stehen und fixierte einen Punkt an der Wand. “Ich weiß nicht.”, entfuhr ihr ehrlich. “Ist ja auch egal. Ich muss jetzt eh los, bin mit Niclas verabredet.” “O.K. Grüß ihn mal lieb von mir. Viel Spaß. Kussi!” “Dankeschön! Kuss.”. Mag legte auf und hielt sich strahlend das Gerät vor die Brust. Der Tag hatte doch noch eine positive Wendung genommen.

    *
    Nach einem im großen und ganzen angenehmen Flug, kam Kyle in Paris an und bezog seine Suite im dritten Stock eines Luxushotels. Er hatte nicht mal ganz ausgepackt, da pochte es an der Tür. Kyle öffnete die Tür und lief vor ins Wohnzimmer. Michel Vogel, seine rechte Hand, folgte ihm. “Was gibt’s?”, fragte Kyle, den Rücken zu ihm gewandt und sich gerade ein Hemd überstreifend. “Wir haben in-“, Michel schielte auf seine brummige Armbanduhr, “vierzig Minuten den Termin mit der Tochterfirma.”
    “Das weiß ich doch. Ich wär schon aufgetaucht”
    Kyle biss in einen Apfel, den seine Mutter ihm noch mitgegeben hatte, sie bemutterte ihn noch mehr, als früher, seit ihr Mann tot war. Kyle konnte das eigentlich auf den Tod nicht ausstehen, da er der Meinung war, er brauchte keine mütterliche Zuneigung mehr, ließ es sich aber gefallen, um sie nicht zu verletzen.
    “Ich wollte nur sicher gehen, dass du das nicht wieder vergessen hast, und völlig gestresst in den Saal platzt.”
    “Komm, das ist mir schon seit Monaten nicht mehr passiert.”
    Michel zog eine Augenbraue hoch, ließ es aber dabei bewenden. Schließlich hatte Kyle Recht. Für gewöhnlich war er ein pünktlicher Mensch. Nur als sein Vater vor zirka einem Jahr gestorben war und er die Firma hatte übernehmen müssen, war das ganze zu viel gewesen.

    Sogar vor Beginn saß Kyle bereits auf einem der schwarzen Lederstühle. Der Raum füllte sich langsam mit vielen wichtigen Persönlichkeiten. Der Mann am langen Tischende erhob, als alle anwesend waren, seine Stimme und stellte sich vor eine Graphik. Er begann lang und breit zu erklären, was es damit auf sich hatte. Wie Kyle so etwas hasste.
    Zu großem Entsetzen oder auch zum Glück von Kyle, wie man es nimmt, klingelte sein Handy. “Ich bitte um Verzeihung.”, er blickte flüchtig auf den Display, wo nur “neue Nummer” zu lesen war und verließ den Raum. Er ahnte schon genau, wer sich am anderen Ende der Leitung befand. “Kyle Avery.”, meldete er sich aus Gewohnheit.
    “Hey Kyle.”, ertönte die fröhliche Stimme einer siebzehnjährigen. Er blickte auf das Zifferblatt seiner Uhr und antwortete streng, während er das Gebäude verließ: “Wir haben erst siebzehn Uhr dreißig. Hab ich dir nicht gesagt, erst um neunzehn Uhr?!”
    “Ach ja? Das hab ich wohl überlesen.”, streckte Mag ihre Zunge raus, was er glücklicherweise nicht sehen konnte. “Soll ich später anrufen?”
    “Nein, lass nur. Ist nicht so schlimm. Hatte eh keine Lust auf diesen trockenen Kram.”
    Mag atmete erleichtert auf. “Wo bist du eigentlich genau?”
    “In Paris.”
    “Oh, Wahnsinn! Da war ich noch nie!”, ihre Augen weiteten sich vor Begeisterung.
    Kyle saß bereits wieder in seinem Leihwagen und steckte sie in die Freisprechanlage. “Wie war dein Tag?”, fragte er, damit beide nicht vor sich hin schwiegen. “Nicht so.”
    “Warum? Was war denn?”
    “Hab eine Matheklausur zurück bekommen.”, antwortete Mag mit gesenkter Stimme.
    “So schlimm?”
    “Zwei Punkte.”, Mag wollte erst gar nicht versuchen ihn wieder an zu lügen.
    “Das ist hart. Kannst du ausgleichen?”
    “Nein.”
    “Du bleibst sitzen?”
    “Ja.”, oh wie sich das anhörte! Schrecklich. Sie schämte sich so dafür.
    “Ich habe die siebte wiederholt. Ist gar nicht so schlimm, lernt man neue Leute kennen.”, versuchte Kyle sie aufzumuntern, was ihm in der Tat gelang. Er war mittlerweile am Hotel angekommen, nahm sie wieder in die Hand und war in Null Komma nichts wieder in seiner Suite. Unglaublich, dass er dieses wichtige Treffen einfach verlassen hatte. “Was sind denn bei dir für Plätschergeräusche?”, erkundigte er sich, während er sich eine Zigarette ansteckte. “Ich bade. Das entspannt unglaublich.”, drang es an seine Ohrmuschel.
    “Mag, was ich gestern gesagt habe…Entschuldigung. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle.” “Mir auch. Ich war auch nicht gerade nett zu dir.”
    “Dann vergessen wir das ganze lieber wieder.”, er stand auf seinem Balkon, blickte auf das wirre Getümmel der Fußgänger und zog gleichzeitig an seiner glühenden Stange.
    “Du hast wirklich die siebte Klasse wiederholt? Oder sagst du das nur so?”, sie wollte
    nochmal sicher gehen.
    “Ja, hab sie zweimal gemacht. Latein war halt nicht mein Ding.”
    “Und jetzt bist du trotzdem Besitzer einer Firma?!”, Mag war begeistert.
    “Eh…ja. Um ehrlich zu sein. Mein Vater hat sie mir überschrieben. Es war nicht mein eigener Verdienst.”, er lehnte sich mit den Ellenbogen an dem Geländer ab und betrachtete die rot gefärbte Sonne am Horizont verschwinden.
    “Er verlangt dann aber reichlich viel. Du bist doch erst vierundzwanzig.”
    “Hat er schon immer. Und jetzt lass uns mal das Thema wechseln.”, er drückte den Zigarettenstummel aus und schloss die Glastür wieder hinter sich. “Nö, mir gefällt das Thema.”
    Kyle verdrehte seine Augen. “Ich sollte jetzt sowieso aufhören. Wie wär\’s wenn ich dich morgen Abend anrufe, hm?” “Au ja! Ich freu mich.”
    “Gut, dann bis Morgen, Kleine.”
    “Kyle? Hab dich lieb.”
    “….ja….ich dich auch.”, Kyle legte auf und stand etwas unbeholfen neben der kleinen Minibar. Er wusste selbst nicht, was er da machte. Warum er mit ihr telefonierte…

    *
    Mag legte ihr Handy zur Seite, quiekte vor Freude und rutschte mit ihrem Kopf unter Wasser. Als sie wieder auftauchte, hatte sie eine Schaumkrone auf. /Alles läuft nach Plan! Und er ist sowas von süß!!./
    Sie duschte sich und verließ mit Handtuch umwickelt das Bad.

    Von da an rief Kyle sie in der Zeit, die er in Paris verbrachte, jeden Abend an. Für Mag war es das pure Paradies, sie freute sich jeden Tag aufs neue wie ein Honigkuchenpferd, Steffi dokumentierte alles haargenau, und Kyle….Ja, was waren die Telefonate für Kyle? Das wusste er selber nicht. Er war der Meinung, dass es sich lediglich um Zeitvertreib handelte, andererseits fand er Gefallen daran, mit ihr über alle möglichen Dinge zu reden.

    Den Freitag Abend wollte Steffi genau aus diesem Grund bei Mag schlafen. Sie wollte das Geschehen ganz genau verfolgen können.
    Maggan, Mags Mutter, hatte eine zusätzliche Matratze auf dem Boden ausgebreitet, worauf es sich Mag und Steffi bequem machten und über Gott und die Welt plauderten.
    “Meinst du, er ruft noch an?”, Steffi nahm sich eine Hand voll Popcorn und stopfte sie sich nacheinander rein. Mag richtete sich auf und studierte ihr Zifferblatt.
    “Ich weiß nicht, so spät war er noch nie, wir haben immer hin schon dreiundzwanzig Uhr.” “Aber du musst dich doch für Morgen mit ihm verabreden.”, sie runzelte ihre Stirn und schob sich erneut etwas zwischen die Zähne.
    “Ich weiß doch! Ich will mit auf diese Gala!”, Mag rieb sich vorfreudig die Hände.
    “Ei, dann rufen wir ihn jetzt an!”, Steffi krallte sich Mags schnurloses Telefon und suchte die Nummer heraus, die Mag schon eingespeichert hatte. Sie drückte auf den grünen Hörer und schaltete den Lautsprecher an.
    -Piep…..piep…..piep…-
    “Kyle Avery?”
    “Hey Kyle!”, rief Mag fröhlich aus.
    “Hi, Kleine! Wie geht’s?”
    “Nicht so…”
    “Warum?”
    “Du hast mich nicht angerufen!”, sie spitzte ihren Blick.
    “Oh…Ich bin wieder in Deutschland….hab dich ganz vergessen. Wir können am Montag schreiben, wenn du willst?”
    Mags Mundwinkel fielen sichtlich nach unten. “Warum erst am Montag?”
    “Na, ja. Morgen ist die Gala. Sonntag bin ich verabredet und Montag sitze ich wieder in meinem Büro.”
    “Ach so…na dann.”, Kyle hörte ganau den geknickten Unterton in ihrer Stimme.
    “Kleine…Hör zu. Ich glaube, du verrennst dich da in etwas.”, drang es an Mags Ohr.
    “Was meinst du? Ich dachte, du und ich…”, fragte sie, während Steffi ihr mitfühlend über den Rücken strich.
    Beide hörten, wie Kyle tief Luft holte.
    “Mag, ein du und ich wird es niemals geben. Ich bin vierundzwanzig und die bist siebzehn. Außerdem habe ich nicht so viel Zeit, wie du glaubst.”
    In Mags Augen stiegen Tränen auf, die sie verkrampft zurück hielt. “Aber was ist mit der Gala?”
    “Ich gehe mit einer anderen Frau hin. Du? Ich glaube es ist besser, wenn wir den Kontakt abbrechen, hm? Ich will dir nicht weh tun.”
    “Aber das hast du gerade!”, blökte sie unkontrolliert in ihren Hörer.
    Kyle kratzte sich nachdenklich am Hals. “Tut mir Leid.”, murmelte er schließlich, “Ich mach dann jetzt Schluss. Wünsch dir einen schönen Abend.”, Ohne ihre Antwort ab zu warten legte er einfach auf. Mag saß geschockt auf ihren Knien und starrte immer noch das Gerät an. Stillschweigen herrschte im Raum. Steffi konnte ihrer Freundin ansehen, dass sie nicht dem gescheiterten Plan nachtrauerte, sondern ihm. Das brachte sie zum nachdenken, bis sie frohen Mutes wieder nach dem Telefon griff.
    “Hallo Tante!”
    “….”
    “Ja, ich weiß, dass es schon spät ist, aber Mag und ich haben hier ein Problem und ich hoffe, dass du uns helfen kannst.”, sie fischte nebenbei nach ihrem Block und einem Kugelschreiber. “…..”
    “Hast du deinen Computer an?”
    “…”
    “Gut, kannst du mal nachsehen, wo hier in Deutschland eine Gala morgen Abend stattfindet.” “…..”
    “Verstehe. Gut! Meinst du, du würdest es schaffen, dass Mag darein kommt?”, sie schrieb schön die Daten mit, die ihr ihre Tante über die Gala durchgesagt hatte.
    “…..”
    “Ja, ich weiß! Aber es ist wichtig! Kleider hast du ja auch. Kannst du sie nicht etwas Mode tauglich aufstylen?”
    “…..” “Du bist die beste! Ja. Machen wir! Hast was gut bei mir! Mach\’s Gut. Bis Morgen!”, sie legte wieder auf und klatschte froh in die Hände.
    Mag blickte sie fragend an. “Tante Elena ist sich sicher, dass sie dich auf diese Gala bringen kann. Sie arbeitet doch als Sekretärin in einer Tochterfirma. Hatte ich ganz vergessen. Sie wird dich Morgen einkleiden, frisieren und dann nimmt dich ihr Chef mit.”
    “Und du meinst, das funktioniert?”
    “Klar,”
    Mag fiel ihr wortlos um den Hals. Nach wenigen Minuten löste sich sich wieder. “Was soll ich dann dadrin machen? So ganz alleine. Soll ich Kyle suchen? Ihn anbaggern?”
    Steffi überlegte kurz. “Nein! Das mit dem Jagen hat ja nicht geklappt. Du wirst dich so vornehm wie möglich benehmen. Wenn er dich sieht, wird er auf dich zukommen. Zeig ihm aber kein großes Interesse. Immerhin hat er eine Frau dabei.”
    Mag nickte zustimmend, doch plötzlich wandelte sich ihr Gesichtsausdruck. “Ah! Ich kann so was nicht!”
    “Natürlich kannst du! Du bist wunderschön und du haust sie vom Hocker!”
    “Wenn du meinst. Nur sag, warum ist sich deine Tante so sicher, dass ich da reinkomme?”
    “Du bist die Begleitung von ihrem Chef, der ist dort eingeladen.”
    “Ja, das verstehe ich ja. Nur warum sollte er mich als Begleitung haben wollen?”
    “Wirst schon sehen, das will er!”, Steffi zwinkerte ihr zu.
    Kurze Zeit später schlief Mag mit nervösem Gegrummel im Magen ein.

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  • Nach einem gemütlichen und gesundem Frühstück machten sich die beiden Freunde, Steffi und Mag, mit dem Zug auf zu Steffis Tante. Die Zugfahrt dauerte jedoch bedauerlicher Weise mehrere Stunden und mehrfaches Umsteigen. Doch als sie endlich in der richtigen Stadt angekommen waren, standen sie schnell vor der richtigen Wohnung, da Steffi einen ausgeprägten Orientierungssinn besaß. Mag drückte die Klingel, die lange nachläutete, worauf ihnen eine Frau die Tür öffnete und sie mit einem freundlichen Lächeln herein bat. Mag war begeistert. So eine Tante hätte sie auch gerne. Sie hatte blonde, ordentlich zu einem Dutt gebundene Haare und eine schöne Figur. Dazu schien sie sehr modebewusst zu sein. Sie trug ein schwarzes Oberteil mit weitem Ausschnitt und eine schwarze Stoffhose. Jedoch dazu eine rote, große Perlenkette um den Hals und einen roten breiten Gürtel um die Taille. Mag stapfte durch die Türschwelle und sah sich um. Die Wohnung war geprägt von der Farbe weiß, soweit man Weiß als Farbe bezeichnen kann. Weiße Ledersofas, eine weiße Küche, weiße Fliesen…auf Mag wirkte das viel zu viel, was sie jedoch für sich behielt. “Dann kommt mal mit.”, holte sie Helenas raue Frauenstimme wieder aus ihren Gedanken. “Wollt ihr was essen, oder sollen wir gleich zum Umstyling übertreten?” “Umstylen!”, schallte Steffis Antwort wieder. “Gut. Geht klar.” Steffi und Mag dackelten ihr hinterher in eine Art Gestezimmer, wo Helena etwas aus dem Schrank fischte. “So, diese hier hast du zur Auswahl.”, sie musterte Mag genau, “Oh, du bist doch ein wenig zierlicher als ich dachte. Dann wird dir das hier mit Sicherheit am besten stehen.”, sie hielt ihr ein schwarzes, elegantes Abendkleid mit Pajetten um das Dekollete hin. “Du kannst dich hier neben umziehen.”, sie deutete auf eine andere Tür, worin Mag schnell verschwand. Sie fand sich nun in einem, na ratet mal, weißem Bad wieder. Innerhalb kürzester Zeit lagen ihre Klamotten auf den Boden und sie streifte das Kleid über. Einen kritischen Blick im Spiegel, das Kleid war sehr Figurbetont und Mag sehr, sehr unsicher, ob sie das tragen könnte. Mit dieser Unsicherheit kam sie in den Raum zurück, in dem Helena und Steffi warteten. Gespannt drehten sich diese um. “Unglaublich! Wow, Mag, du siehst fantastisch aus!”, Steffis strahlendes Gesicht machte klar, dass sie das nicht einfach nur so sagte, sondern von ganzem Herzen so meinte. Helena nickte zustimmend. “Findet ihr echt? Ist der Ausschnitt nicht ein wenig zu tief ausgeschnitten?”, Mag schaute Helena mit einem scheuen Rehblick an. Diese schüttelte heftig den Kopf: “Solche saftigen Mangos wie deine sollte man offen zeigen!”. Mag errötete ein wenig durch Tante Helenas offene Art.
    “Sie hat Recht! Du hast so schöne Brüste. Das wäre doch schade, wenn sie keiner zu sehen bekommt.”
    /Nicht du auch noch, Steffi!/
    “Jetzt wo wir das geklärt haben, müssen wir nur noch auf den Frisör warten. Er ist sehr professionell, braucht dafür aber auch seine Zeit. Wir müssen mit gut einer Stunde rechnen.”, Helena führte sie weiter in die Küche, wo sie sich an den Glastisch setzten. Nur Helena kochte Kaffe. “Leg dir das auf den Schoß, nicht, dass du das Kleid versaust. So eine Sau, wie du immer bist.”, Steffi hielt ihr das Objekt vor die Nase.
    “Hach, danke.”, Mag gehorchte und legte sich die Schürze um.
    Sie friemelte an einer Serviette herum, “Warum darf ich eigentlich auf diese Gala?”
    “Das würde ich auch gerne wissen, du hast so schnell zugesagt.”, ergänzte Steffi, worauf sich Helena den beiden Mädchen zuwandte und sich am Kopf kratzte. “Ich sollte sowieso eine Begleitung für meinen Chef suchen.”
    “Was?!”
    “Ja, seine Frau hat sich von ihm getrennt und er wollte mit einer hübschen Dame hingehen, um sie eifersüchtig zu machen und ihr ein zu drichtern, dass sie zurückkommen soll.”
    Helena brachte jedem eine Tasse Kaffe, stellte Kekse auf den Tisch und setzte sich zu ihnen. Mag schüttete ordentlich Milch in ihre Tasse, da das schwarze Gebräu für sie sonst ungenießbar war. “Aha, und was ist das genau? Was muss ich da machen? Meinst du ich kann das?”
    Helena dachte kurz nach: “Klar, das ist zwar offiziell eine ‚Gala’, aber eigentlich ist es eine Party für die ganzen erfolgreichen Menschen in Deutschland. Deswegen dürfen auch keine Reporter kommen, sie wollen ungestört abfeiern. Also dürftest du da kein Problem haben. Außer…Kannst du tanzen?”
    “Ob Mag tanzen kann? Sie hat letztes Jahr den Tanzwettbewerb in Heidelberg gewonnen!”, platzte Steffi dazwischen.
    “Irgendwas muss man ja können.”, Mag machte eine wegwerfende Handbewegung.
    “Dann ist doch alles gut.”, Tante Helena nippte an ihrem Kaffe.

    Nach einer Stunde gemütlichem Kaffeklatsch tauchte der angekündigte Frisör endlich auf. Es handelte sich um einen dünnen, großen Mann im rosa Hemdchen. Er trug Sack und Pack bei sich und begrüßte die drei Frauen mit einem lockeren Händedruck. “Zu aller erst: nennt mich Alois! So, wo das geklärt ist: Aus wem darf ich die Schönheit herausholen?”, er sprach ein wenig durch die Nase und klatschte in die Hände. “Aus mir.”, stellte sich Mag vor ihn. “Sehr gerne, Mademoiselle.”, er küsste sanft ihre Hand. Nachdem sich Mag zurück auf ihren Stuhl gesetzt hatte, breitete der Mann sein ganzes Hab und Gut auf dem Tisch aus. Er lief um sie herum und betrachtete ihre Haare, die offen über fast den halben Rücken hingen. “Dürfte ich sie ein wenig formen?”, er schnippte zweimal in der Luft mit seiner Schere.
    “Klar! Sehr gern!”, Mag liebte Veränderungen auf ihrem Kopf. “Merci!”, der Frisör setzte an und bearbeitete ihre Haare.
    Innerhalb von gut einer dreiviertel Stunde legte er seine Werkzeuge weg und hielt ihr einen Spiegel hin: “Voilà!”
    Mag strich sich durch ihre neue Frisur und lächelte. Alois hatte ihr einen modernen Stufenschnitt verpasst, der ihre Haare noch voller wirken ließ und dazu glänzten sie aus voller Kraft. Auch Steffi und Helena gefiel der neue Look viel besser. “Da brauchst du gar keine Hochsteckfrisur mehr”, zwinkerte ihr Steffi zu.
    “Doch! Sobald der Mann ihre Frisur für eine nächtliche Orgie löst, wird er eine neue Überraschung erwarten.”, erwiderte Alois. “Es wird zu keiner Orgie geben.”, zog Mag ihre Augenbrauen herunter und schüttelte empört den Kopf. “Das wird schwer zu verhindern sein, Mademoiselle.”
    “Jetzt reicht’s doch mal!”, schaffte Mag es endlich diese merkwürdige Unterhaltung zu beenden. Der Frisör machte sich wortlos zurück an ihre Haare und begann sie kunstvoll hoch zu stecken.
    Steffi und Helena saßen in der Zeit mit am Tisch und schlürften gemütlich ihren Kaffe zu Ende.
    Eine erneute Stunde später stand Helena von ihrem Platz auf, angetrieben von der Türklingel. Die drei, die noch in der Küche standen und saßen, hörten wie ein Mann Helena ziemlich aufbrausend anfuhr. “Hab ich dir nicht gesagt, dass ich eine Begleitung brauche?! Wie lange willst du mich denn warten lassen? Sag bloß, du hast noch niemanden besorgt?!” “Doch, doch! Ich wollte dich überraschen. Du wirst staunen!”, versuchte Helena ihn zu beruhigen, was nicht so ganz klappte. “So kommst du mir immer! Du kannst nicht alles in letzter Minute machen! Ich will in einer halben Stunde hier los, wenn da noch niemand hier-” “Sie ist in der Küche!”, unterbrach ihn Helena, da ihr die Situation sehr unangenehm war. Sie wusste genau, dass die anderen drei sie hören konnten.
    “Oh, wirklich?”
    “ja.”, antwortete sie sanft.
    Zur gleichen Zeit saßen Mag und Steffi in der Küche und starrten sich an. Sie hatten das Gefühl sich über Schallwellen unterhalten zu können, denn beide wussten, was der jeweils andere dachte. /Mit so einem grantigem Kerl soll ich den Abend verbringen?/ Alois beendete seine Arbeit und hielt ihr den Spiegel vor. Wieder waren beide sehr zufrieden. “Ich werde dir nur noch etwas Make-up auflegen.”, sprach der Frisör, während er schon begann seine Wimperntusche und andere Utensilien raus zu kramen.

    “Darf ich sie sehen?”, wurde Helenas Chef wieder etwas freundlicher.
    “Wenn sie fertig ist, ja.”, Helena verschränkte ihre Arme.
    “Du hattest auch mal mehr Respekt.”
    Helena zuckte mit den Achseln: “Selbst Schuld.”
    “Sag bloß, du trägst mir das immer noch nach.”
    “Wie kommst du denn darauf?”, fragte sie ironisch und verdrehte ihre Augen.
    “Das klären wir am Montag in meinem Büro, ja? Also, kann ich sie jetzt sehen?”
    “Ich guck mal, warte hier.”, Helena trat in die Küche und stellte erfreut fest, dass Mag fertig war, und wirklich umwerfend aussah. Steffi wunderte sich mal wieder, warum sie solo war. An ihrem Aussehen konnte es nicht liegen.
    “Deine Begleitung würde dich gerne sehen.”, grinste Steffis Tante.
    “Sicher, dass du sie auf diesen Mann loslassen willst?”, wisperte Steffi, damit der Mann im Flur sie nicht hören konnte.
    Helena schmunzelte ein wenig: “Keine Sorge, er ist vollkommen ungefährlich.”
    “Wenn er sich nicht benehmen kann, trete ich ihm zwischen die Beine!”, klang Mag entschlossen, wobei sie lediglich versuchte ihre Unsicherheit in Griff zu bekommen.
    “Ich werde Ihnen keinen Grund geben mich zu treten.”, öffnete sich die Küchentür. Die Vier Personen drehten sich geschockt um.
    “D-dann wäre das ja geklärt.”, versuchte Mag lächelnd die Situation zu entschärfen. “Ist das meine Begleitung?!”, fragte der Mann patzig.
    “Ja…”, antwortete Helena etwas verunsichert.
    Er ging an ihr vorbei: “Ich heiße Luke Scholz. Und wie darf ich Sie nennen?”
    “Mag.”
    “Mag? Von Maggan, nehme ich an?”
    “ja.”
    “Dann nenne ich Sie Maggan. Also darf ich Sie bitten, mich zu begleiten?”
    “Jetzt?”, Mag machte große Augen. Sollte sie wirklich mit einem fremden Mann mit fahren? Einen uneinigen Blick ließ sie Steffi zu teil werden, diese machte eine daumendrückende Handbewegung.
    Luke Scholz war sehr groß, hatte blonde Haare und blau-graue Augen, die Mag innerlich zu versteinern schienen, dazu eine große, etwas kräftige Statur.
    Er ging auf eine schwarze Limousine zu, stieg hinten ein und schlug die Tür wieder zu. Mag wunderte sich, lief um den großen Wagen herum, winkte ihrer Freundin abschließend zu und setzte sich auf die andere Seite. “Das war aber nicht Gentleman-like.”, beschwerte sie sich prompt ohne drüber nach zu denken. “Ich hatte nie vor ein Gentleman zu sein!”
    Maggan ließ es dabei bewenden und widmete ihre Aufmerksamkeit dem Innenraum. Sie saß auf hellbraunen Ledersitzen. Neben ihr war eine kleine Minibar, wo sie sofort begann das Inventar zu checken. Auf einmal wurde ihre Hand festgehalten. Mag drehte ihren Kopf und erwischte aus versehen seine blau-grauen Augen. Wieder hatte sie das Gefühl zu versteinern. “Fass nichts an!”, er ließ ihre Hand wieder los. Schnell richtete sie ihren Blick aus dem Fenster. Bäume fuhren an ihr vorbei und ließen ab und an etwas Sonnenlicht durchscheinen. Die Nervosität und Unsicherheit in ihr wuchs. War das die ganze Sache wert? Jetzt war es sowieso zu spät….
    “Tut mir Leid.”, hauchte er leise über seine blassen Lippen. “Kein Problem.”, lächelte Mag ihn an, während sie seinen Pupillen absichtlich auswich.
    “Wie alt sind Sie denn?”
    “17, also können Sie mich ruhig duzen. Darf ich Sie auch duzen?”
    “Nein.”, antwortete er trocken.
    “Herr Scholz, wir sind da.”, kam die Stimme des Chauffeur durch einen Lautsprecher. Mag stieg aus und sah das Gebäude, was sich vor ihr erstreckte. Sie könnte schwören, sie befinde sich im Weißen Haus. Anders konnte sie das Haus auch nicht beschreiben.
    “Hak dich bei mir ein.”, verlange Luke in einem bestimmenden Ton.
    “Nein.”, sie verschränkte ihre Arme, “ich hänge mich bei niemandem ein, den ich nicht mal duzen darf.”
    “Hör auf solche Zicken zu machen!”, er riss an ihrem Handgelenk, worauf sie aufhörte sich zu wehren. Widerwillig hakte sie sich ein. Gemeinsam schritten sie durch die Tür, die ihnen aufgehalten wurde. Ein Butler kam auf sie zu und nahm ihnen die Jacken ab. “Dankeschön!” “Lass das!”, fuhr sie Luke erneut an. Eine ungewollte Wut brodelte in ihr auf, die sie jedoch bevor etwas Ungeplantes passieren konnte, wieder runterschluckte. “Was hat Helena bloß gedacht, mir so ein Kind vor die Nase zu stellen?!”
    “Ich geh ja schon!”, drehte sich Mag auf ihren hochhackigen Schuhen wieder um und wollte gehen. Ein kurzer Gedanke an Kyle zog durch ihren Kopf, welcher aber durch Lukes erneute grobe Handgreiflichkeit unterbrochen wurde. Wieder weitete Mag ihre Augen. Luke kam mit seinem Gesicht ganz nah an sie ran und hauchte ihr ins Ohr: “Glaub mir, ich habe kein Problem damit eine Frau zu schlagen. Hast du mich verstanden?!”
    Mag nickte und folgte ihm wie ein geschlagener Hund. Was war das nur für ein brummiger Kauz? Bluffte er, oder würde er sie schlagen?
    “Also?”, er hielt ihr den Arm wieder hin, worauf sie sich ohne Anstalten wieder einhängte. Sie betraten endlich den Raum, in dem sich das eigentliche Geschehen abspielen sollte. Mag bemerkte sofort die ganzen Menschenmengen, die fröhlich im Saal herumlungerten. Wo sollte sie denn hier Kyle finden? Verwirrt suchte sie die Personen ab und scannte die Gesichter. Sie fand ihn nicht.
    “Herr Scholz! Schön, dass Sie hier sind!”, kam ein Mann mittleren Alters auf Luke zu und schüttelte ihm kräftig die Hand. “Wer ist denn Ihre Begleitung. Eine neue Flamme?”
    “Eine Flamme auf Probe.”, entgegnete Luke, “Das ist Maggan Bendson.”
    “Hallo schöne Frau.”, der Mann küsste ihren Handrücken, “Es freut mich sehr, ihre Bekanntschaft zu machen.”
    Mag nickte. /Maggan Bendson? Was soll das denn? Ich heiße Ryan! Na gut, heiß ich für heute Abend Bendson…/
    “Geben Sie uns einen Tisch für Zwei?”
    “Sehr gerne. Etwas abgegrenzt, wie ich Sie kenne?”
    “Sehr richtig!”
    “Oh nein! Warum setzen wir uns nicht zu anderen? Ist doch viel schöner!”, warf Mag ein, der die Vorstellung überhaupt nicht gefiel, mit Luke den ganzen Abend alleine zu sitzen. Außerdem musste sie doch Ausschau nach Kyle halten. Jedoch erntete sie einen Blick von seinen kalten Augen und zog sich zurück. “Ist gut. Dann eben in die Ecke…”
    “Dann nehmt doch einfach hier Platz.”, der fremde Mann zeigte auf einen gemütlichen Tisch abgelegen von allen anderen, und mit einem Vorhang verdeckt. /Muss das sein?!/
    “Jetzt benimm dich! Unglaublich, was du dich traust!”, beschwerte sich Luke wieder, als sie alleine waren.
    Auf der großen Bühne, auf der bis eben eine Band Tangomusik gespielt hatte, erschien eine Frau und hielt sich ein Mikrofon vor die Lippen, hielt eine kurze Begrüßungsrede, der Mag kaum Aufmerksamkeit widmete und stakste wieder von der Bühne runter, worauf die Band einen Walzer spielte.
    “Da kommt das Essen. Ich habe mir erlaubt, für dich zu bestellen. Ich hoffe, du kannst wenigstens essen, ohne mich zu blamieren.”, Luke sah sie nicht an.
    “Ich fresse wie ein Schwein.”, entfuhr es ihr. Ihr Drang ihn zur Weisglut zu treiben wuchs von Sekunde zur Sekunde. Sie hatte keine Lust sich von ihm unterbuttern zu lassen.
    “Ich wünsche guten Appetit.”, eine freundliche Bedienung stellte das Essen auf den Tisch und schloss die Vorhänge wieder.
    “Oh, wow! Hammer!”, Mag öffnete die silbernen Hauben. Ein für sie unvergleichlich gut duftendes Essen qualmte vor ihr vor sich hin, sie hatte jedoch keine Ahnung, was es genau war.
    Sie nahm die Gabel und wollte als erstes etwas von dem Fleisch probieren.
    “Du solltest lieber nur Salat essen.”
    “Willst du damit sagen ich bin dick?!”
    “Ich habe dir verboten, mich zu duzen!”
    “Und ich habe gesagt, dass ich jeden duze, bei dem ich mich einhänge. Außerdem hast du das Essen bestellt, also darf ich das ja wohl essen. Man hast du eine Logik.”, provokativ piekste sie mit der Gabel ins Fleisch und schmatzte wohlwollend auf. “Köstlich!”
    “Nein, dieses Gericht war für mich! Der Salat hier ist für dich.”
    “Zu spät!”, grinste sie mit vollen Backen.
    Luke gab sich geschlagen, wobei ihm der Umstand keinesfalls zusprach. Schweigend aß jeder sein Gericht. Danach lehnte sich Mag zufrieden zurück, gleichzeitig fiel ihr der eigentliche Grund wieder ein, warum sie das über sich ergehen ließ. Nur wie könnte sie sich genauer umsehen? Dann merkte sie richtig die Glühbirne über sich aufflammen.
    “Herr Scholz.”, sie setzte ihre freundlichste Stimme auf, “würden Sie mit mir tanzen? Die spielen grade einen Jive! Ich liebe Jive.”
    “Schön für dich. Freu dich und bleib auf deinem Hintern sitzen.”
    Mit so einer Antwort hatte sie schon gerechnet. “Ach, können SIE etwa nicht tanzen? Na gut. Ich find schon jemanden, der mit mir tanzt, Adios!”, sie wollte gerade durch den Vorhang schreiten, da hörte sie seine Stimme: “Bleib hier!”
    Ohne zu reagieren lief sie auf die Tanzfläche. Aufbrausend kam er hinter ihr her, verkniff es sich aber, sie vor allen anzuschreien und nahm sie lieber in Tanzhaltung.
    “Können Sie Jive?”
    Stumm setzte er den Tanz an. /Ah gut./
    Nach kurzer Zeit bemerkt Mag, dass er nur den Grundschritt beherrschte, gab sich damit aber zufrieden, da sie nun ungestört die anderen Paare beobachten konnte.
    Gesicht für Gesicht untersuchte sie die verschiedenen Charaktere in diesem überfüllten Saal. Auf einmal schlug eine Welle voller unbekannten Gefühlen durch ihre Organe. Das musste er sein. Ein Schönling tanze direkt gegenüber von ihr mit einer Art “Superblondine”. Mag fixierte seine Augen und erkannte sofort diese offenen, warmen, dunkelbraunen Augen, den perfekten, muskulösen Körper, diese Haare, der Teint.
    /Der sieht live ja noch hundert mal besser aus…/ Sie erwischte sich dabei, wie sie in Gedanken zu ihm hinraste und sich in seine Arme schmiss. Schnell holte sie sich wieder zurück und bemerkte, wie er die Frau in seinen Armen anblickte. Dieser Blick sagte mehr als tausend Worte. Ein Stechen jagte ihr durchs Herz. Was sollten diese komischen Bewegungen in ihrem Inneren? Was konnte sie dagegen tun?
    “Das reicht für Heute! Ich muss noch wichtige Gespräche führen und du kommst mit.”
    “Tu ich das?”
    “Ja!”, schon schleppte Luke Mag mit sich mit und blieb vor einem älteren Mann stehen.
    Dieser hatte schwarze Haare und einen Kringelbart. “Sir Smith, darf ich Ihnen Maggan Bendson vorstellen?”
    Smiths Augen wanderten zu ihr und begrüßten sie mit einem sanften Lächeln.
    “Reizend.”, brachte er raus. Kaum sah er Luke wieder an, verfielen die zwei Männer einem trockenem Gespräch über die neusten Neuigkeiten der Businesswelt.
    Luke Scholz hielt viele solche geschäftlichen Gespräche, bei denen Mag nicht wirklich zuhörte. Immer nur freundlich lächeln, die Hand geben und nicken. Todlangweilig. Erst als Luke auf Kyle zusteuerte, was Mag erst sehr spät realisierte, wurde sie wieder aufmerksam. Schnell tastete sie ihre Frisur ab, die noch in Ordnung zu sein schien, zuppelte an ihrem Kleid und ließ sich nichts mehr anmerken, als Kyle sich zu ihr wandte und Luke die Hand gab. “Herr Scholz! Wie geht es Ihnen?”, seine freundliche Stimme war unverwechselbar. Mag jedoch schenkte er nicht einen kleinen Blick. Nichts. Nada. Also versuchte sie es mit einem freundlichen Lächeln. Wieder kein Erfolg. Kyle ließ seine Hände in die Hose sinken und unterhielt sich mit Luke über oberflächliche Themen.
    “Darf ich Ihnen vorstellen, Mister Avery? Das ist Frau Maggan Bendson.”
    /Das ist meine Chance!/
    “Guten Abend, Mister Avery.”, ihre Handfläche wurde feucht, wie immer, wenn ihr etwas sehr unangenehm war.
    “Guten Abend Miss Bendson.”, gab ihr Kyle fröhlich die Hand. Hoffentlich bemerkte er ihre schwitzigen Hände nicht. Schließlich war das Mags allererste Berührung mit dem Mann, den sie für sich gewinnen wollte. Sie war sofort begeistert von seinen zarten, weichen, dennoch männlichen Händen. Ewig wollte sie diese Hand festhalten. Moment…WOLLTE. “Emm, ja…”, zog Kyle seinen Arm zurück, als Mag diese verträumt mit den Ihren umschlossen hatte. Für den Rest der Unterhaltung konnte Mag seine Augen wieder nicht für sich gewinnen.

    Mit Luke zusammen lief sie wieder zu deren Platz zurück. Das war ja wohl ein Reinfall…So hatte sie sich die Sache mit Sicherheit nicht vorgestellt….Sie musste seine Aufmerksamkeit gewinnen. Nur wie? Ein verzweifelter Seufzer bahnte sich den Weg durch ihre Lippen. /er ist süßer als ich mir je erträumt hätte…/

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  • Hallo ihr Lieben! Hab leider nicht mehr viel geschafft, wollte es aber trotzdem schon mal einsenden :] wünsche euch viel spaß. liebe Grüße Karin

    “Was seufzt du denn so tief?”, fragte Luke ohne sie anzugucken. Er rieb sich mit zwei Fingern die rechte Schläfe. “Eh, nichts…haben Sie Kopfschmerzen?”, Mag hatte eine sehr sanfte Stimme. “Ja, ich habe oft Migräne.”, er klang auf einmal freundlicher. “Soll ich Ihnen etwas Wasser holen?”
    Wortlos nickte er. Mag stand auf, lief zu einem Kellner und bestellte ein Glas Wasser. Automatisch wanderte ein geknickter Blick zu Kyle. Er tanzte immer noch beziehungsweise wieder mit seiner “Superblondine”, diesmal einen romantischen Walzer. Wieder seufzte sie tief. Was sollte sie nur Steffi sagen? Die ganze Mühe war umsonst gewesen…Apropos Steffi: Als hätten sie sich mal wieder über Schallwellen unterhalten, klingelte das Handy in Mags Handtasche. Sie wusste nicht mal, warum sie die Tasche zum Wasser bestellen mitgenommen hatte. War wohl eine Art Eingebung gewesen. Schnell eilte sie aus dem Saal und somit aus dem lauten Getöse heraus, um ab zu heben.
    “Hi Steffi!”
    “Hey, Süße, wie läuft’s? Hab ich dich grad irgendwo bei gestört?”, Mag hörte einen neckischen Unterton in Steffis Stimme.
    “Ja und wie! Ich musste gerade meiner tollen Begleitung ein Wasser bestellen.”
    “Oh…Wie soll ich das verstehen? Ist Kyle denn nicht auf der Gala?”
    “Doch, doch. Er tanzt gerade mit einer Sexbombe von Blondine.”
    “Dann such dir einen Neuen. Da sind doch bestimmt noch mehr Singles. Schau dich einfach mal um.”
    “Was soll das denn jetzt?”
    “Es ist doch egal, welchen erwachsenen Jungen du mit auf Laras Party nimmst. Hauptsache älter. Dieser Kyle scheint ja echt nicht zu knacken zu sein.”
    “Aber…Ich dachte…Kyle…”, jeder, ob er sie kennt oder nicht, hätte die Traurigkeit vernommen, die ihre Worte widerspiegelten.
    “Mag, erzähl mir jetzt bitte nicht, dass du dich in ihn verliebt hast!”, dröhnte es aus dem Gerät.
    “Gut, dann erzähl ichs nicht.”
    “Ach, Mag. So einen Typ kann man nicht halten. Du merkst es doch selbst. Er sehnt sich nach Frauen. Nicht nach siebzehnjährigen Schülern.”
    “Ich muss jetzt zurück auf die Gala, bevor Luke noch ausrastet. Ich ruf dich Morgen an. Bye.” Sie legte auf und ließ das Handy wieder in ihre Handtasche sinken. “Ich schaff das, wirst schon sehen.”, murmelte sie vor sich hin und ging fest entschlossen wieder in den Saal zurück. Ohne groß zu suchen erkannte sie Kyle, der gerade mit seiner Tussi das Parkett verließ. Sie schluckte schwer, machte den ersten Schritt und tippte an seine Schulter. Er drehte sich um und schaute verwundert zu ihr runter.
    “Könnten Sie mir sagen, wo die Toiletten sind? Ich finde sie nicht.”, flüsterte sie, als handele es sich um ein todbringendes Geheimnis.
    Kyle nickte seiner Begleitung zu. “Ich bringe Sie hin.”
    /Juhuuuuuu/
    “Vielen Dank.”, erwiderte sie dagegen kontrolliert. Kyle schlenderte mit einem äußerst lässigen Schritt raus, Mag hinterher. Sie waren alleine, alleine in einem großen Flur, in einem noch größeren Haus…und er sprach kein Wort. Mag fühlte sich äußerst unwohl. Ein starkes Magnetfeld schien seine Bahnen um seinen Körper zu ziehen. In seinem schwarzen, eindeutig von Hugo Boss stammenden, Anzug hatte er eine unglaublich perfekte Statur. Er führte sie zu einer Tür und blieb stehen. “Finden Sie den Weg alleine zurück?”
    Mag überlegte kurz und zog die Hand zurück, die bereits auf der Türklinke geruht hatte. Als sie sich umdrehte stand sie Kyle ganz nah. Ein elektrischer Strom schoss durch ihren Körper und legte eine prickelnde Gänsehaut auf ihre Arme.
    “Hast du mich wirklich nicht erkannt, Kyle?”, flehend auf eine Antwort und seine Frage ignorierend blickte sie ihn an. Er ließ seine Hände in seine Hosentaschen gleiten, fixierte ihre Augen. Jetzt stellten sich sogar ihre Nackenhaare vor Anspannung und Ekstase.
    “Natürlich habe ich dich erkannt, Mag.”, er sprach betont ruhig.
    “Warum sagst du dann nichts? Warum hast du mich nicht einmal angesehen? Kein Zeichen hast du mir gegeben!”
    “Du bist mit Luke Scholz hier. Die größte Konkurrenz, die meiner Firma im Weg steht.” “Luke Scholz ist deine größte Konkurrenz? Ich hatte keine Ahnung.”, antwortete sie wahrheitsgemäß.
    “Eben, du hast keine Ahnung. Warum bist du hier?”
    Ihr Körper zuckte erneut, diesmal aufgrund seiner Reaktion auf ihr Kommen. “Na, wegen dir. Ich bin nur wegen dir hier. Im Internet warst du viel freundlicher. Warum bist du so abweisend zu mir? Weißt du wie schlimm es war, mit diesem Luke hier sein zu müssen? Kaum auszuhalten. Und jetzt kommst du mir so.”
    Kyle atmete laut aus und kratzte sich am Hals.
    “Weißt du, im Internet ist das was anderes. Da sind wir zwei Personen, ohne Verpflichtung. Wenn du wegen mir hier bist, habe ich eine gewisse Verantwortung für dich. Hätte ich gewusst, dass du sowas bringst, hätte ich nie angefangen mit dir zu schreiben.”

    Mag wollte sich nicht anmerken lassen, wie brutal diese Worte ihr gegen den Kopf schlugen und versuchte zwanghaft eine neckische Mine auf zu setzen. “Du wolltest mich sowieso mitnehmen. Schon vergessen?”
    “Nein, ich weiß schon, Miss Gucci.”, er seufzte, “wollen wir zurück gehen?”
    “Um uns wieder zu ignorieren?”, sie zog eine Augenbraue hoch.
    “Mag, hör auf damit! Ich bin ein viel beschäftigter Mann und habe keine Zeit für deinen Kindergarten, den du veranstaltest! Geh nach Hause.”
    “Nein, Kyle! Ich will doch nur bei dir sein!”
    “Ich aber nicht bei dir, Okey?!”
    Durch diese Worte begannen ihre Hände zu zittern und verselbstständigten sich. Sie konnte gar nichts tun, da hatte sie ihm schon mit voller Wucht die Handfläche ins Gesicht geknallt. Erst danach realisierte sie, was sie getan hatte und hielt sich diese Hand vor ihren Mund: “E-es tut mir Leid, ich-”
    Er hielt sich die rotwerdende Wange: “Geh einfach.”, entgegnete er merkwürdig ruhig und wandte sich zum Gehen.
    “Kyle, ich…Es tut mir Leid!”, rief sie ihm verzweifelt nach und stolperte schließlich ins Bad. “Bist du verrückt geworden! Warum hast du das getan?!”, schrie sie ihr Spiegelbild aus vollem Halse an. “Ich hab ihn geschlagen…”, seufzte sie dagegen ruhig. Sie guckte ihre Handfläche an, die immer noch zitterte und versuchte sich an das Gefühl zu erinnern, als ihre und seine Haut aufeinander trafen, doch es klappte nicht. Also holte sie Make-up aus ihrer Handtasche und schminkte sich sorgfältig nach. Ihrer Frisur war zum Glück nichts passiert und so schlenderte sie wieder zurück in den Ballsaal. Kyle saß wieder neben seiner Superblondine. Mag entdeckte sofort wo seine Hand ruhte: An ihrer Taille.
    Verkrampft versuchend nicht zu ihm zusehen, schlürfte sie mit hängenden Schultern zurück zu Luke.
    “Was hat so lang gedauert? Wo warst du schon wieder?”, begann er sofort mit seiner gewohnten Fragerei.
    “Geht\’s dich was an?! Nein!”, antwortete sie gereizt und schnappte sich ihren Mantel, den sie sich von einem Kellner hatte reichen lassen.
    “Wo willst du jetzt hin?”, fing er erneut an.
    “Nach Hause!”, sagte sie, gleichzeitig zog sie gerade ihren Mantel an.
    “Zu Fuß?”, ein lauter Lacher entfuhr ihm, “Dann viel Spaß”
    “Danke, werde ich haben.”, zickte Mag und drehte sich auf ihren hohen Absätzen um und schritt so hochnäsig wie möglich davon. Sie war innerlich so zerbrochen, dass sie nicht wusste, was sie tat. Alles schwirrte in ihrem Kopf herum: Dass sie eine Abfuhr kassiert hatte, jetzt zu ihrer dämlichen Lüge stehen musste.
    “Bleib stehen! Wir bleiben noch!”, befahl Luke.
    “Ja, du vielleicht, ich nicht!”, schrie sie ohne sich um zu drehen. Ihre Schritte wurden immer größer und schneller, bis sie schließlich rannte. So schnell wie noch nie. Ihr Gesicht war völlig feucht von den Tränen, die mindestens genauso schnell rannten, wie sie.
    Plötzlich wurde sie am Handgelenk gefasst und flog fast hin, da ihr die ganze Geschwindigkeit mit einem Ruck genommen wurde. Sie wurde jedoch zurückgezogen und prallte gegen einen harten Männerkörper. Ahnend, dass es sich um Luke handelte drückte sie sich weg und erschrak sichtlich, als sie in Kyles wunderschönes Gesicht blickte.
    “W-was machst…woher…”, ihr Kopf brummte, “wieso rennst du mir nach?!”
    “Du bist wie eine Bekloppte rausgerast, da hatte man ja Angst, dass du vor ein Auto rennst.”, seine Stimme war für ihn typisch ruhig.
    “Ist mir egal. Lass mich!”, sie riss sich aus seinem Griff und wollte wieder los sprinten, doch ihr fehlte die Kraft und die Luft dazu.
    “Es tut mir Leid.”, murmelte Kyle leise.
    Verwirrt drehte sich Mag wieder zu ihm: “Was tut dir Leid?”
    “Ich wusste nicht, dass ich dir so viel bedeute….”, fuhr er fort.
    Langsam kehrte ihre Vernunft wieder zurück: “Das konntest du auch nicht wissen.”
    “Lass uns zurück gehen. Herr Scholz fährt dich jetzt bestimmt nach Hause.”
    “Ich will nicht mit ihm fahren. Der hat doch eh nichts besseres zu tun, als mich an zu schreien.”
    Kyle runzelte die Stirn fragte aber nicht näher nach: “Nun, gut, dann fahr ich dich eben Heim.”
    “wirklich? Oh klasse!”, sie klatschte freudig in die Hände.
    “Ja, dann komm mal mit.”, sie liefen gemeinsam wieder zurück auf den Parkplatz. Er fischte seinen Schlüssel aus seiner Hosentasche und drückte auf einen der Knöpfe. Die Blinklichter eines Metallic-blauen BMWs blitzten auf. “Setz dich schon mal rein. Ich muss noch meine Jacke holen.”
    “Kyle?”, Mag ließ ihren Finger über die glatte Motorhaube gleiten, “ist deine Freundin nicht sauer, wenn du jetzt mit mir weg fährst?”
    “Sie ist nicht meine Freundin. Bin gleich zurück.”
    Erleichtert atmete Mag aus und setzte sich auf die Beifahrerseite. Der Geruch von neuem Leder und einem Duftbaum zog in ihre Nase. Sie schnallte sich an und brachte den Sitz in Liegeposition.
    Sie gähnte herzhaft:
    /Nur ganz kurz mal die Augen schließen…./

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  • Mag öffnete ihre schweren Lider und blickte verwirrt in der Gegend rum. Irgendetwas stimmte hier nicht. Seit wann war ihr Bett so ekelhaft weich? Sie setzte sich auf. Sie befand sich in einem breiten Himmelbett. Vor Schreck hüpfte sie mit einem Satz heraus. Ein völlig unbekannter, modern eingerichteter Raum. Laut kreischte sie unkontrolliert los und schmiss die Tür auf. Ein cremefarbener Flur. Sie blieb stehen. Die Bilder an der Wand…das kannte sie doch! Sie verwarf die Theorie eines Deja vu`s, als ihr einfiel, dass die Webcam ihr das alles schon einmal offenbart hatte. Kyles Haus! Wie kam sie bloß hier her? Sie strengte ihre grauen Zellen an, wodurch ihr der gesamte gestrige Abend wieder in den Sinn kam. “Aber wie…”, murmelte sie und blickte an sich herab. Sie trug ein hellrosa Nachthemd. /Dieses Schwein hat es gewagt!/, wild auf schnaubend trampelte sie weiter durch den Flur und riss die Tür zum Büro auf, da sie den Weg wieder fand. Laut krachend ließ sie diese jedoch wieder ins Schloss fallen, als Kyle darin nicht zu sehen war. “Wo ist dieser Idiot!”, redete sie mit sich selbst. “Idiot? Wer ist ein Idiot?”, fragte eine piepsige Frauenstimme, worauf sich Mag mit einem Ruck rumdrehte. Eine kleine, Frau mit kurzen braunen Haaren stand vor ihr. “Kyle natürlich! Wo ist er? Der kann was erleben! Wie kann er es wagen mich zu Kidnappen! Und mich auszuziehen? Ich platze gleich.”, regte sich Mag noch mehr auf. “Er wollte Ihnen nur helfen.”, fiepste sie. “Ja, ich helfe den Leuten auch immer in dem ich sie nackig mache!”
    “Das war ich. Ihr Kleid sollte doch nicht verknittern, dachte ich? Ich habe es in die Reinigung gebracht.”, die Frau machte große Augen und wartete Mags Reaktion ab. Diese ließ einmehlig geschlagen die Schultern hängen. “Ach so. Danke”, murmelte sie und kam wieder runter von ihrem Zorn.
    “Und warum bin ich jetzt hier?”
    “Das weiß ich nicht.”, lächelte die Frau. “Dann werde ich Kyle nun suchen gehen, und ihn selbst fragen.”, verschränkte sie ihre Arme vor der Brust. “Er ist außer Haus.”, erklärte Svetlana und beobachtete wie Mag nervös an ihren Haaren spielte. Ihr wurde das alles zu viel, der gestrige Abend und nun war sie in einem fremden Haus und wusste nicht, wie sie heimkommen sollte. /Mama…/, heulte sie gedanklich. “Kann man hier irgendwo telen?”, fragte sie schließlich. “Was ist telen?”
    “Meine Güte! Telefonieren.”
    “Sehr gerne.”, die kleine Haushälterin machte nur ein paar Schritte zur Seite, nahm ein Schnurloses Telefon von der Kommode und reichte es Mag. “Danke, ich zieh mich mal schnell zurück.”
    Sie lief zurück in das Gästezimmer und schrieb von ihrem Handy Steffis Handynummer ab. Diese hatte sie fünf Mal noch versucht anzurufen.
    Es tutete nicht mal drei Mal, da hatte Steffi schon abgehoben. “Mag! Wo warst du! Eher gesagt, wo bist du! Ich habe mir solche Sorgen gemacht! Ich dachte schon du wärst Vergewaltigt, tot oder sonst was! Mach das nie, NIEMALS wieder!”, Mag musste leicht kichern, als sie Steffis Stimme hörte. Da hatte sie wirklich eine Freundin, der sie auch etwas bedeutete. “Ganz ruhig Steff, bei mir ist alles Okay.”, Mag zog ihre Beine hoch auf den Sessel.
    “Das freut mich zu hören. Wo bist du jetzt?”
    “Bei Kyle.”, prahlte sie stolz, da Steffi ja noch nicht darüber informiert war, dass der Plan noch nicht gestorben war. “So? Wie kommt das?”, verwundert zog Steffi beide Augenbrauen in die Höhe, “IHR! Ihr habt doch nicht etwa?! Also…”
    “Nein, haben wir nicht!”, Mag schüttelte den Kopf, warum musste Steff auch immer nur an das eine denken!
    “Dann erzähl doch einfach!”, Steffi kaute aufgeregt auf ihrem Bleistift herum, während Mag die ganze Geschichte erzählte und mit den Worten abschloss: “…dann saß ich in seinem Auto, bin eingepennt und in dieser riesigen Villa aufgewacht, in der ich nun mit der kleinen, anscheinend russischen, Haushälterin alleine bin.”
    Kurzer Augenblick des Schweigens.
    “Und jetzt?”, fragte Mag schließlich unbeholfen. “Ich weiß auch nicht so genau. Du musst ihn dir jetzt auf jeden Fall angeln. Wir haben noch knapp drei Wochen bis zu Laras Geburtstag. Sorg dafür, dass er etwas mit dir unternimmt, anstatt dich sofort zurück zu fahren, ja? Sonst bricht er wahrscheinlich den Kontakt ab.”
    “Wieso sollte er? Immerhin hat er mich zu sich nach Hause genommen?”, Mag spielte grinsend mit einer Haarsträhne, die durch die gestrige, neue Frisur sehr weich und wohl gepflegt war. “Maggan! Jetzt werde nicht übermütig! So wie ich das verstanden habe, hat er dich zu sich geholt, weil du eingepennt bist! Der ist doch lediglich seinem Pflichtbewusstsein gefolgt! Er hat doch gesagt, dass er sich für dich verantwortlich fühlt! Du musst dieses Verantwortungsgefühl aus ihm herausbekommen. Zeig doch mal, dass du eine Frau bist! Spiel mit deinen Reizen.”
    Mags Mundwinkel fielen nach unten. Steffi hatte recht! Sie hatten sich doch gestritten und er hatte lediglich Schuldgefühle gehabt. Mal wieder wurde sie auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht, wollte sich davon aber nicht die gute Laune vermiesen lassen. “Steff? Ich mach das schon. Sag meiner Mutter, ich sei bei dir, Kuss.”, legte sie auf ohne auf die Antwort zu warten. /Jetzt brauch ich was zu beißen!/ , beschloss sie, da ihr Magen langsam wirklich ungeduldig wurde und sich selbst zu verdauen schien. Ergo machte sie sich auf die Suche nach der Küche.
    Sie hopste die Treppen hinunter und sah sich um. /Wo vermutet man eine Küche? Hinter der großen Tür da!/
    Sie riss die weißen Türen auf…ein Wohnzimmer. /Hier?/, eine Art Bibliothek. Hier? Nein, ein Bad. /Wow, bombastisches Bad. Ich weiß genau, was ich nach dem Besuch im Fresshaus mache/, grinste sie innerlich, während sie die große Badewanne begutachtete. Sie hatte das halbe Haus abgelaufen, bis sie endlich die große, geräumige Marmorküche gefunden hatte. Begeistert sah sie sich um. In so einem Haus konnte kein Mann alleine wohnen! Da würde man ja eingehen! Sie öffnete den Kühlschrank und zog sämtliche Früchte heraus, die sie entdecken konnte. Dann erblickte sie Müsli in einer oberen Tür. Sie streckte und räkelte sich und kam nicht dran. Also kletterte sie auf die Anrichte. Sie stellte sich und machte sich noch einmal groß. Sie fischte sich daneben ein Schüsselchen, goss die Milch dazu, die sie bereits bereitgestellt hatte und ließ sich einfach mit ihrem Hintern auf die Arbeitsfläche sinken und ließ ihre Füße baumeln. Wohlwollend verschlang sie die Erd- und Himbeeren und schaufelte ordentlich Müsli in ihre Backentaschen. Plötzlich, flog die Tür auf und eine, wenn nicht DIE, Superblondine stand mit großen Augen in der Türschwelle. “Wer bist du denn?!”
    “Mag, und wer bisch du?”, schmatzte sie und schluckte alles auf einmal herunter. “Das geht dich gar nichts an! Was machst du hier?!”
    “Essen.”, erwiderte Mag ohne sich beirren zu lassen und biss in einen Apfel. “Das sehe ich! Du ungezogenes Gör! Komm von der Anrichte runter.”, die Empörung dieser Frau stieg bis in die pulsierende Halsschlagader. “Hast mir gar nichts zu sagen! Ich bin Kyles Gast!”, prustete Mag sich auf. Ihr war bewusst, dass sie schrecklich ungezogen war, doch Eifersucht machte sich in ihr breit, als sie diese Frau wieder gesehen hatte. Kyles Hand an ihrer Hüfte… “Du bist was?!”
    /Gleich platzt die Halsschlagader, das gibt eine Sauerei!/, dachte sich Mag und stierte auf das kleine pulsierende Ding im Halse der jungen Frau. “Jetzt komm endlich da runter!”, wurde sie laut und kam auf sie zu getrampelt. Sie wollte gerade an Mags Bein ziehen, da stand diese auf und lief auf der Theke oben lang. Sie wollte sich nicht auch noch von dieser Tussi rumkommandieren lassen.
    “Was will Kyle nur mit so einem Kind!”
    Das Reicht! Mag sprang herunter und baute sich vor der Frau auf, obwohl sie einen halben Kopf kleiner war. Dann musste sie sich eben aufplustern. “Was ich mit Kyle habe oder nicht habe, geht dich einen Scheißdreck an, kapiert?! Dazu hatte er einfach die Schnauze voll von einem hässlichen Faltengespenst wie dir!”
    “Hat er das gesagt?”, die Frau schien gekränkt. “Natürlich. Seine Worte.”, log Mag und biss provozierend wieder in ihren saftigen Apfel. “Ich werde ihn sofort anrufen”, stolzierte sie davon und Mag konnte sich ein Lachen kaum verkneifen. Sie ließ in der Küche alles stehen und liegen und folgte ihrem Impuls ein Bad zu nehmen.
    Als sie so in dem warmen Nass lag, ihre Augen geschlossen, überkam sie das Gefühl, dass sie mal wieder übertrieben hatte. Wie es schien, waren ihre Nerven mal wieder mit ihr durchgegangen. Sie war einfach ein unverbesserliches Temperamentsbündel.

    *

    Kyle saß an seinem voll beladenen Schreibtisch und konnte einfach nicht aufhören an Mag zu denken. Fragen bohrten ihn. War es wirklich richtig gewesen, damit anzufangen, mit ihr zu schreiben? Er hätte sich den ganzen Ärger ersparen können. Doch er hatte nicht auf sein Gefühl gehört. Er dachte zurück, wie sie damals unter dem Schreibtisch gehockt hatte, nur weil sie nicht zu ihrer Lüge stehen konnte, wie sie ihn aus dem wohl wichtigsten Meeting rausgeholt hatte, wie sie auf der Gala aufgetaucht war. Bezaubernd hatte sie ausgesehen. Ihr Aussehen war wirklich ungewöhnlich. In einer Modelkarriere könnte sie es bestimmt weit bringen. Kyle seufzte. Eigentlich hatte sie ihm wirklich so manchen Abend versüßt und ihm die Einsamkeit nach der Trennung von seiner Freundin genommen. Doch sie war siebzehn, er würde sich strafbar machen, dazu tat sie wirklich Sachen, die nicht in Ordnung waren. Ihm kam das Bild in den Kopf, wie geknickt sie ausgesehen hatte, als er den Kontakt hatte abbrechen wollen. /Es ist das Beste für uns beide!/, entschied er erneut und sah sich die Zettel an, die er noch durcharbeiten musste. Kaum hatte er beschlossen, endlich zu arbeiten, klingelte sein Telefon.
    “Kyle Avery”
    “KYYYYYYYYYYYYYLEEEEE!!!!”, kam ihm die bekannte Frauenstimme seiner ungestümen Ex ins Ohr.
    “Bianca, was schreist du schon wieder?”
    “Weißt du was ich in deiner Küche entdeckt habe? Eine Ratte!”
    “Was?”
    “Jaaaaa, eine Ratte in Kindesgestalt.”
    Kyle seufzte, würde er sie nie loswerden? “Bianca, was machst du in meiner Villa? Du hast da nichts verloren.”, er blieb wie gewohnt ruhig.
    “Das tut nichts zur Sache. Das Mädchen-”
    “Ist mein Gast. Und du verschwindest, hast du mich verstanden?”
    “Aber Kyle! Was war das Gestern?”, sie imitierte mal wieder ihr eigenes Heulen. Kyle kannte ihre Schauspielerei schon zu genüge.
    “Das war ein letzter Gefallen. Jetzt geh!”
    “Was willst du mit diesem Mädchen. Du machst dich strafbar!”
    “Das geht dich nichts an! Jetzt geh!”, Kyle knallte das Telefon weg. Wie er Bianca kannte, blieb ihm nichts anderes übrig, als hinzufahren. Er gab schnell seiner Sekretärin bescheid und fuhr zurück. Gut, dass er als Kopf der Firma diese Freiheiten hatte.
    “Kyle, da bist du ja!”, lächelte Bianca und wollte ihn küssen, doch er zuckte weg. “Was denkst du dir eigentlich? Es war abgemacht, dass du mich und mein Leben für immer in Ruhe lässt, wenn ich dich mit auf die Gala nehme. Ich habe meinen Teil der Abmachung getan, du bist an der Reihe.”, blieb er mal wieder auf dem Teppich.
    “Ich sehe es nicht ein, dass du mich für ein Kind verlässt.”, schmollte sie.
    “Das hat rein gar nichts mit ihr zu tun. Gib mir meine Hausschlüssel.”
    “aber-”
    “Gib einfach!”, er hielt seine Hand auf und Bianca gab klein bei: “Das lasse ich nicht auf mir sitzen.”, wutschnaubend ließ sie den Schlüssel einfach zu Boden fallen und zog von Dannen. Was musste Kyle nicht alles mitmachen die letzten Wochen. Er verstand nicht mehr, was er an Bianca je gemocht hatte, selbst ihre Attraktivität schien verschwunden zu sein. Er schaute auf seine Uhr, das beste wäre, würde er gleich noch mal in die Arbeit fahren. Es war schon so viel Arbeit liegen geblieben.
    Er schlenderte in die Küche, um etwas zu Trinken, da vielen ihm fast die Augen heraus. Ein Schlachtfeld! Was hatte das zu bedeuten? Hatten sich Mag und Bianca so gezofft?!
    “Sveti, komm bitte in die Küche.”, befahl er durch die Freisprechanlage, die in ihren Teil der Villa führte. Er räumte eigens die Milch weg und schütte die Cornflakes weg. “Ja, Herr Avery? Was kann ich für Sie tun?”
    “Nur eine Frage beantworten, wo ist denn Mag?”
    “Das Mädchen?”, Svetlana überlegte, “im Bad, glaub ich.”
    “Danke auf dich ist Verlass.”, er klopfte ihr im Vorbeigehen auf ihre Schulter und betrat eilig das Bad. Ein lauter, quietschender Schrei und sämtliche Gegenstände flogen ihm sofort entgegen. Er fing die Shampooflasche, wich der Seife aus, duckte sich vor der Bürste…. Mag riss ihre Augen weit auf und zog ihre Beine nah an ihren Körper, während sie alles nach ihm warf, was ihre Finger zu fassen bekamen. “Kannst du nicht anklopfen?!”, motzte sie und versuchte gleichzeitig ihre nassen, wuscheligen Haare irgendwie zu sortieren. Ihr Herz raste wie wild, schien sich aus dem Körper befreien zu wollen. Wenn das nicht mit Reizen spielen war, wusste sie es auch nicht. “Es tut mir Leid, Mag.”
    “Das hoffe ich sehr. Jetzt dreh dich endlich um!”, giftete sie, inspizierte aber gleichzeitig seinen starken Rücken und die schwarzen Haare. “Hast du was gesehen?!”, fragte sie mit fester Stimme.
    “Was? Also, du meinst….emm.”
    “Red nicht um den heißen Brei herum! Hast du mich gerade nackt gesehen oder nicht?!”, wären ihre Hände nicht sowieso nass und schrumpelig, wären sie es nun bestimmt vor Anspannung. Sie freute sich so tierisch ihn zu sehen, doch gleichzeitig schämte sie sich in Grund und Boden.
    “ja.”, gab er schließlich zu und wollte sich zu ihr drehen. “Wag es ja nicht!”, drohte sie und zückte die Dekorationssteine vom Rand der Badewanne.
    “Okay, ist ja gut. Kann ich mit dir reden?”
    “Hier? jetzt?!”, Mag fühlte sich sichtlich unwohl, “worüber willst du denn mit mir reden?” Kyle setzte sich auf den Beckenrand, immer noch ihr den Rücken zudrehend.
    “Das von Gestern tut mir sehr Leid. Ich glaube ich habe unterschätzt, wie wichtig ich dir bin.”, er sprach ruhig und vorsichtig.
    “Ja! Weißt du was ich auf mich genommen habe, um dich zu sehen?! Kyle, du bist…ich habe dich sehr lieb, weißt du?”
    Kyle wollte seinen Kopf zu ihr drehen, doch sie funkelte ihn mit einem Bösen Blick an. “Du bist mir auch wichtig, Mag. Das weiß ich leider erst seit gestern Abend. Sonst hätte ich dich ganz anders behandelt. Ich war so schockiert, als du plötzlich auf der Gala aufgetaucht bist, dann auch noch in den Armen meiner Konkurrenz. Ich gebe es ungern zu, aber ich denke, ich war eifersüchtig.”, Kyle schluckte, es viel ihm schwer diese Schwäche zuzugeben. Vor sich selbst hatte er es zuvor nicht mal eingestehen können. Er liebte ihre süße, schusselige Art.
    “Wirst du mich jetzt nach Hause bringen?”
    Kyle reichte ihr ein Handtuch, ohne sie anzusehen. “Ja, deine Mutter wird sich schon Sorgen machen.”
    Mag nahm das Tuch entgegen, stand auf und wickelte es sich um. Kyle richtete sich ebenfalls auf und drehte sich ihr zu. Sie sah unglaublich aus, ihre nassen vollen Haare, er beobachtete, wie einzelne Tropfen herunterfielen und mit leiblichen Geräuschen im Wasser aufschlugen. “Nein, sich macht sich keine Sorgen, sie denkt ich bleibe das ganze Wochenende bei Steff.” “Wir haben Sonntag, du hast Morgen wieder Schule.”, gab Kyle zu bedenken. “Aber ich bleibe doch eh sitzen, was will ich noch da?”, sie stieg aus der Wanne aus, blieb aber hängen und rutschte aus. Reflexartig fing Kyle sie auf. Ihr Gesicht hing an seiner Brust und sie spürte seine Wärme und die gleichmäßigen Bewegungen seines Bauches. Sie sah zu ihm auf. “Bitte, lass mich bei dir sein.”, hauchte sie, ohne zu ihm aufzusehen.
    “Das ist unvernünftig.”
    “Das ist mir egal, die ganze Aktion war unvernünftig und ich war noch nie so glücklich!”, Mag stellte sich wieder gerade hin und schlang ihre Arme um seinen stattlichen Körper. “Ach, meine kleine Mag.”, seufzte Kyle und erwiderte ihre Umarmung. Sie packte ihren Neugewonnenen Mut, stellte sich auf die Zehenspitzen und berührte sanft mit ihren Lippen die seinen. Sie waren unglaublich weich. Sie konnte es kaum glauben. Ihre Unterlippe zitterte vor Anspannung. Er rührte sich nicht. Sie löste ihre Hände wieder und umschloss damit sein Gesicht. “Kyle.”, seufzte sie und küsste ihn schließlich. Er bewegte sich immer noch nicht. Verwundert stellte sie sich wieder auf ihre ganzen Füße und sah zu ihm auf. “Was ist?” “Mag,”, er strich über ihr feuchtes Haar, “wir machen uns strafbar.”
    Mag wich von ihm ab. “War es das?! War das der Grund, warum du mich die ganze Zeit nicht bei dir haben wolltest?! Weil ich jung bin?”, sie blickte ihn mit großen Augen an. Kyle nickte vorsichtig und machte einen Schritt auf sie zu. “Ich kann mir einen solchen Skandal nicht leisten. Mein Ruf wäre ruiniert. Das war es auch, worüber ich eigentlich mit dir reden wollte.”
    Tränen schossen unkontrolliert auf. Mag schluckte schwer. “Deswegen?! Ich fasse es nicht. Dir ist die Arbeit und dein Ruf wichtiger! Deswegen hast du mich auf der Party gestern so behandelt! Weil du wusstest, dass ich minderjährig bin! Und du wusstest, du könntest dich in mich verlieben!”, schlussfolgerte Mag und starrte Kyle mit festem Blick an.

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